Aktion David Maßnahmeplan
Signatur: BArch, MfS, HA III, Nr. 494, Bl. 3-6
Um den Auswirkungen der regimekritischen Beiträge von Radio Glasnost auf die DDR entgegenzuwirken, ließ das MfS den Empfang technisch stören. Unter der Deckbezeichnung Aktion "David" wurden die Maßnahmen vorbereitet und durchgeführt.
Die Sendung "Radio Glasnost - Außer Kontrolle" mit Beiträgen "aus und über die DDR" wurde von dem privaten Alternativkanal Radio 100 in West-Berlin einmal monatlich ausgestrahlt. Das einstündige Programm war zwischen Juli 1987 und dem Mauerfall sowohl im Westen als auch im Osten Berlins zu empfangen. In einer kurzen Pilotsendung kündigte Moderatorin Marenbach am 22. Juli 1987 an, von nun an würden auf diesem Sendeplatz Oppositionelle aus der DDR zu Wort kommen. Deren Beiträge und Diskussionen wurden in Ostdeutschland formuliert oder aufgenommen, über die Grenze geschmuggelt und dann von Radio 100 in West-Berlin ausgestrahlt. Bis November 1989 verband Radio Glasnost auf diesem Wege die Ost-Berliner Opposition mit der freien Welt.
In der DDR waren Reinhard Schult, Ralf Hirsch und andere für Texte und Organisation verantwortlich. Eine kleine West-Berliner Redaktion, gegründet durch den Radio-100-Redakteur Dieter Rulff und den aus der DDR ausgebürgerten Oppositionellen Roland Jahn, sorgte dann dafür, dass die Beiträge im privaten Radio 100 einen festen Sendeplatz bekamen. Es dauerte nicht lange, bis Radio Glasnost sein Publikum in der DDR gefunden hatte. Auch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wurde hellhörig und wertete alle Sendungen im Detail aus. Die Geheimpolizei fahndete nach den Urhebern und untersuchte, welchen Einfluss die Beiträge auf DDR-Bürger haben könnten. Auch erschwerte die Stasi den Empfang von zwei Sendungen durch Störsender.
Nachdem das MfS festgestellt hatte, dass eine Störung der Sendung Radio Glasnost technisch möglich war, wurde die Aktion "David" vorbereitet. Der Maßnahmeplan erklärt die nötigen Schritte, um den Radioempfang auf der Ostseite der Mauer zu beeinträchtigen.
Metadaten
- Diensteinheit:
- Hauptabteilung III
- Urheber:
- MfS
- Datum:
- 18. März 1988
- Rechte:
- BStU
- Zustand:
- Gut
- Überlieferungsform:
- Dokument
Hauptabteilung III
Berlin, 18. März 1988
Maßnahmeplan
zur Beeinträchtigung des Empfangs des Sendebeitrages "Radio Glasnost - außer Kontrolle" auf dem Territorium der Hauptstadt der DDR
In Realisierung der der Linie III übertragenen Aufgabenstellung zur wirksamen Beeinträchtigung des Empfangs des für den 28.3.1988 in der Zeit von 21.00 Uhr bis 22.00 Uhr auf der Frequenz 103,400 MHz vorgesehenen Sendebeitrages
"Radio Glasnost - außer Kontrolle"
werden folgende Maßnahmen festgelegt:
1. Alle damit im Zusammenhang stehenden Maßnahmen werden im Rahmen einer Aktion unter der Deckbezeichnung
"David"
vorbereitet und durchgeführt.
Die Aktion beginnt mit sofortiger Wirkung und endet am 29.3.1988, 8.00 Uhr.
Die Gesamtaktion steht unter Leitung meines 1. Stellvertreters, Genossen Oberst Fischer. Als Funktionalorgan des Leiters der Aktion fungiert der Bereich A.
2. Das Ziel der Aktion besteht
- in der territorial begrenzten wirksamen Beeinträchtigung des Empfangs der Aussendung von "Radio Glasnost" im Bereich der Hauptstadt Berlin und dem Stadtgebiet Potsdam,
- im selektiven Einsatz der funktechnischen Störungsmittel, insbesondere, wenn sich der Inhalt der Sendebeiträge gegen die DDR richtet,
- in der möglichst geringfügigen Beeinträchtigung des Empfangs auf Westberliner Territorium.
3. Die gesamte Vorbereitung und Durchführung der operativ-technischen Maßnahmen zur Störung/Beeinträchtigung des Empfanges steht unter der Leitung meines Stellvertreters F.