Karl Laurenz und die Organisation Gehlen
Eine wichtige Rolle bei der Anwerbung von Laurenz für die Organisation Gehlen (OG) spielte Clemens Laby, der für die OG Wirtschaftsspionage betrieb. Laurenz und Laby lernten sich bereits 1947 in der Deutschen Zentralverwaltung für Brennstoffindustrie kennen, in der auch Barczatis arbeitete. 1949 schied Laby aus dem Betrieb aus, der inzwischen in Hauptverwaltung Kohle umbenannt worden war. Zwei Jahre später, im Sommer 1951, schlug er Laurenz seinen Vorgesetzten in der OG als Agenten vor. Zu diesem Zeitpunkt ermittelte das MfS allerdings schon seit einem halben Jahr gegen Laurenz und Barczatis. Bevor Grotewohls Sekretärin vom westdeutschen Geheimdienst überhaupt als Quelle in Erwägung gezogen wurde, hatte die Stasi bereits begonnen, sie und ihren Geliebten "operativ“ zu bearbeiten.
Im Laufe des Jahres 1952 begann dann schließlich die Zusammenarbeit zwischen Laurenz und der Organisation Gehlen. Ab Mai kam es zu regelmäßigen Zusammenkünften mit Laby, im Juli verpflichtete sich Laurenz für eine Spionagetätigkeit. Seine Lebensumstände hatten sich zu dem Zeitpunkt deutlich verschlechtert. Er war kurz zuvor, im Frühjahr 1952, aus der Haft entlassen worden, eine Strafe, die er seit Oktober des Vorjahres wegen "Gefangenenbegünstigung" absaß. Während seiner Tätigkeit als Rechtsanwaltsgehilfe beim Ost-Berliner Rechtsanwalt Greffin soll er diese Straftat begangen haben und war zu fünf Monaten Haft verurteilt worden. Nach seiner Entlassung erhielt der durch den Ausschluss aus der SED ohnehin schon angeschlagene Laurenz keine Arbeitsstelle mehr. Eine Tätigkeit für die OG erschien ihm daher als vielversprechende Chance mit neuen Verdienstmöglichkeiten. Die Stellung seiner Freundin im Büro von Otto Grotewohl, dem Ministerpräsidenten der DDR, bot eine herausragende Möglichkeit der Informationsbeschaffung. Mithilfe der vermutlich nichts ahnenden Barczatis konnte er dem westdeutschen Geheimdienst regelmäßig Informationen aus dem Amt des Ministerpräsidenten der DDR liefern.