Epilog

Radio Glasnost hatte einen Vorläufer, der für das oppositionelle Radio Ideengeber war. Bereits Ende Oktober 1986, im Gefolge des Reaktorunglücks von Tschernobyl hatte das kurzlebige Piratenradio "Schwarzer Kanal" auf ganz ähnliche Art und Weise das Informationsmonopol der DDR-Medien unterlaufen. Unter dem Titel "Der Schwarze Kanal" waren vom West-Berliner Stadtteil Kreuzberg mit Hilfe West-Berliner Autonomer kurze Sendungen mit Beiträgen von Oppositionellen aus der DDR ausgestrahlt worden. Durch Störsender der DDR wurde der Empfang massiv erschwert - und der Sender war auch nach westlichen Maßstäben illegal. Zum Jahresende hatten die Veranstalter die Sendung bereits wieder eingestellt. Aber eine Idee war geboren. Als wenige Monate später Radio 100 auf der ersten privaten Frequenz Sendefläche erhielt, ging Radio Glasnost nun erfolgreich und dauerhafter an den Start.

Mit der Friedlichen Revolution von 1989 wurde auch das Informationsmonopol des Staates gebrochen – und das Senden aus dem Untergrund somit hinfällig. Am letzten Montag im November 1989, drei Wochen nach dem Mauerfall, eröffnete Ilona Marenbach mit ihrem Willkommensgruß ein letztes Mal eine Sendung von Radio Glasnost. Dieses Mal konnten die Oppositionellen aus der DDR jedoch live im Studio in West-Berlin sein, darunter Reinhard Schult vom Neuen Forum und Hildigund Neubert vom Demokratischen Aufbruch. Mit dabei war auch Ibrahim Böhme von der neuen Sozialdemokratischen Partei der DDR, der später als Stasi-Spitzel enttarnt wurde. Insgesamt hatte Radio Glasnost bis dahin 27 Mal über die Oppositionsbewegung und deren Aktivitäten in der DDR berichtet.