Informationen zu den durchgeführten Maßnahmen Aktion "David"
Signatur: BArch, MfS, HA III, Nr. 494, Bl. 30-48
Am 25. April 1988 versuchte die Stasi das zweite Mal den Empfang von Radio Glasnost mit Störsendern zu erschweren oder zu verhindern. Dies sollte mögliche Auswirkungen der regimekritischen Sendungen auf die DDR verhindern.
Die Sendung "Radio Glasnost - Außer Kontrolle" mit Beiträgen "aus und über die DDR" wurde von dem privaten Alternativkanal Radio 100 in West-Berlin einmal monatlich ausgestrahlt. Das einstündige Programm war zwischen Juli 1987 und dem Mauerfall sowohl im Westen als auch im Osten Berlins zu empfangen. In einer kurzen Pilotsendung kündigte Moderatorin Marenbach am 22. Juli 1987 an, von nun an würden auf diesem Sendeplatz Oppositionelle aus der DDR zu Wort kommen. Deren Beiträge und Diskussionen wurden in Ostdeutschland formuliert oder aufgenommen, über die Grenze geschmuggelt und dann von Radio 100 in West-Berlin ausgestrahlt. Bis November 1989 verband Radio Glasnost auf diesem Wege die Ost-Berliner Opposition mit der freien Welt.
In der DDR waren Reinhard Schult, Ralf Hirsch und andere für Texte und Organisation verantwortlich. Eine kleine West-Berliner Redaktion, gegründet durch den Radio-100-Redakteur Dieter Rulff und den aus der DDR ausgebürgerten Oppositionellen Roland Jahn, sorgte dann dafür, dass die Beiträge im privaten Radio 100 einen festen Sendeplatz bekamen. Es dauerte nicht lange, bis Radio Glasnost sein Publikum in der DDR gefunden hatte. Auch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wurde hellhörig und wertete alle Sendungen im Detail aus. Die Geheimpolizei fahndete nach den Urhebern und untersuchte, welchen Einfluss die Beiträge auf DDR-Bürger haben könnten. Auch erschwerte die Stasi den Empfang von zwei Sendungen durch Störsender.
Die Störsender arbeiteten, wie von der Stasi gewünscht: In vielen Bereichen im Osten Berlins war die achte Sendung vom 28. März 1988 nur noch schwer oder gar nicht zu verstehen. In dem folgenden Dokument dokumentiert die Stasi die Ergebnisse ihrer Aktion "David".
Metadaten
- Diensteinheit:
- Hauptabteilung III
- Urheber:
- MfS
- Datum:
- 25. April 1988
- Rechte:
- BStU
- Zustand:
- Gut
- Überlieferungsform:
- Dokument
Hauptabteilung III
Berlin, 25. April 1988
Information
zu durchgeführten Maßnahmen gegen die Sendung "Radio Glasnost - außer Kontrolle"
Die Aufgabenstellung zur selektiven Störung der am 25.04.1988 ausgestrahlten Sendung
"Radio Glasnost - außer Kontrolle"
wurde entsprechend der festgelegten Zielstellung realisiert und führte zur wirksamen Beeinträchtigung des Empfangs in der Hauptstadt der DDR und den angrenzenden Bezirken.
1. Zur Realisierung der Aufgabenstellung durchgeführte Maßnahmen
1.1. Die selektive Störung wurde im Rahmen der operativen Aktion "David 2"
auf Grundlage des bestätigten Maßnahmeplanes unter Einbeziehung der Partner des operativen Zusammenwirkens durchgeführt.
Unter Beachtung der Schlußfolgerungen aus der Aktion "David 1" wurde der Einsatz der funktechnischen Störmittel von 12 auf 18 Störsender erhöht und in den Territorien der Hauptstadt der DDR und Potsdam gedeckt entfaltet.
1.2. Zur Kontrolle der Wirksamkeit der Störmaßnahmen wurde auf dem Territorium der Hauptstadt der DDR ein flächendeckendes System von 64 Empfangsstützpunkten zum Einsatz gebracht. Außerhalb Berlins erfolgte die Kontrolle der Wirksamkeit der selektiven Störung durch die Erfassungsstützpunkte der Linie III in den Bezirken Potsdam, Frankfurt/Oder, Cottbus, Neubrandenburg und Magdeburg.
1.3. In Zusammenarbeit mit der HV A wurden im Operationsgebiet Westberlin inoffizielle Kräfte zur Feststellung eventueller Beeinträchtigung des Empfangs der Sendung wirksam.
1.4. In Vorbereitung auf die selektive Störung wurden gezielte Informationsbeschaffungsmaßnahmen durchgeführt. Im Vergleich zur Aktion "David 1" konnten keine präzisierenden Angaben zur Aufklärung des konkreten Sendeinhaltes und der Programmgestaltung erarbeitet werden.
2. Verlauf und Wirksamkeit der Störmaßnahmen
2.1. Die Ausstrahlung des Sendebeitrages "Radio Glasnost - außer Kontrolle" durch den Westberliner Rundfunksender "Radio 100" begann wie geplant am 25.04.1988 um 21.05 Uhr auf der Frequenz 103,4 MHz und wurde um 22.02 Uhr beendet.