Aktion "David" – Technische Störung

"Ich hoffe, dass wir noch ein paar Hörer und Hörerinnen haben und nicht alle zur Geburtstagsfeier von Erich Mielke gegangen sind, aber vielleicht wird auch dort, beim Minister für Staatssicherheit Radio Glasnost gehört." Mit diesen Worten begann die fünfte Sendung von Radio Glasnost, das der DDR-Führung zunehmend ein Dorn im Auge war. Sogar das Zentralorgan der SED, die Tageszeitung "Neues Deutschland", bezog in einem Artikel Stellung gegen die "Hasstiraden gegen die DDR". Dieser Beitrag verschaffte der Sendung noch mehr Zulauf und bestärkte somit die Redaktion in ihrem Weg.

Die Staatssicherheit beschränkte sich nun nicht mehr darauf, die einzelnen Sendungen detailliert mitzuschneiden. Zusätzlich installierten Funkspezialisten der Geheimpolizei unter dem Decknamen Aktion "David" Störsender, um den Empfang von Radio Glasnost möglichst zu unterbinden. Allerdings war die Sendefrequenz von Radio 100 international angemeldet und mit dem Ministerium für Post- und Fernmeldewesen der DDR abgestimmt worden. Um nicht das internationale Postabkommen zu verletzen und gegen internationales Recht zu verstoßen, durften sich technische Störmaßnahmen nur auf das Gebiet der DDR erstrecken. Durch eine Zusammenarbeit mit der DDR-Post war es dann möglich, insgesamt zwölf Störsender rund um West-Berlin aufzustellen, die den Empfang von Radio Glasnost in der DDR erschweren sollten. Besonders stark sollte der Empfang gestört werden, wenn sich die Radiobeiträge frontal gegen die DDR richteten.