Die Entstehung und die Verantwortlichen

In der DDR waren Reinhard Schult, Ralf Hirsch und andere für Texte und Organisation verantwortlich. Im Westen beteiligten sich Dieter Rulff, Roland Jahn sowie die aus der DDR ausgereisten Autoren Rüdiger Rosenthal und Fred Kowasch an der Redaktion. Über deren Netzwerke und Kontakte auf beiden Seiten der Mauer bekam das Projekt Aufmerksamkeit bei der DDR-Opposition, die sich nach dem Start mehr und mehr an der Produktion beteiligte. Jahn, ehemaliges Mitglied des Jenaer Friedenskreises, diente vor allem als Vermittler zwischen bundesdeutschen Journalisten und Oppositionellen in der DDR. Diese Kontakte ermöglichten es erst, das Material für die Sendungen von Ost nach West zu transportieren. Hauptsächlich wurde es von westdeutschen Journalisten, Diplomaten und Bundestagsabgeordneten über die Grenze geschmuggelt, deren Gepäck nicht so streng kontrolliert werden durfte.

Das MfS wusste sehr genau, dass die Informationen und Sendebeiträge über ein geheimes Kuriernetz nach West-Berlin gelangten und versuchte die „feindlich-negative[…] Beeinflussung von Bürgern der DDR“ zu unterbinden. Radio 100 hätte seine auf „politisch ideologische Zersetzung gerichtete Tätigkeit erheblich aktiviert“, hieß es kurz nach der zweiten Sendung in einem Bericht der Hauptabteilung III, zuständig für Funkaufklärung und Funkabwehr. Die Geheimpolizei setzte alles daran die Verbindungen zwischen den Oppositionellen aus der DDR und der Redaktion in West-Berlin aufzudecken.