Signatur: BArch, MfS, HA KuSch, Nr. 20017, Bl. 37-43
Horst Hesse arbeitete ab Januar 1954 als Geheimer Mitarbeiter „Jürgen“ für die Staatssicherheit. Nach seiner Werbung erstellte das MfS einen Perspektivplan für den Einsatz Hesses in West-Berlin und der Bundesrepublik.
Anfang 1954 geriet Horst Hesse in das Blickfeld des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und dessen Magdeburger Bezirksverwaltung (BV): Er hatte diese kurz zuvor darüber informiert, dass ein ehemaliger Nachbar ihn als Agenten für den amerikanischen Militärgeheimdienst Military Intelligence Division (MID) angeworben hatte. Hesse sollte Liegenschaften der sowjetischen Streitkräfte in und um Magdeburg auskundschaften.
Das MfS verpflichtete ihn daraufhin zur inoffiziellen Mitarbeit (Deckname „Jürgen“). Es versorgte Hesse – unter Mitwirkung der sowjetischen Seite – mit präpariertem Material, wie z. B. Fotos von Kasernen. Durch seine vermeintlichen Spionageerfolge in der DDR gewann er mehr und mehr das Vertrauen seiner US-amerikanischen Auftraggeber, die ihn unter dem Decknamen „Lux“ führten.
Im August 1954 floh Hesse mit Wissen des MfS in die Bundesrepublik. Dort stattete ihn die MID mit einem neuen Namen aus: Horst Berger. Hesse war zunächst für die Befragung von DDR-Flüchtlingen zuständig. Anschließend wechselte er in die MID-Dienststelle nach Würzburg. In der beschaulichen Stadt am Main wertete Hesse DDR-Post aus und warb Agenten für den US-Geheimdienst an. Dass der hochmotivierte Mitarbeiter regelmäßig in Kontakt mit dem MfS stand, war den Amerikanern auch nach akribischen Sicherheitsüberprüfungen verborgen geblieben.
Nachdem sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MID-Dienststelle in Würzburg ins verlängerte Pfingstwochenende verabschiedet hatten, lief die vom MfS geplante Aktion „Schlag“ an. Hesse und zwei ebenfalls in den Diensten der DDR-Geheimpolizei stehende Komplizen, darunter Hans Wax (Deckname „Donner“), entwendeten zwei Panzerschränke aus der Würzburger Dienststelle. Sie luden diese in einen Mercedes 190 SL und setzten sich am 20. Mai 1956 über den Grenzübergang Helmstedt-Marienborn in die DDR ab.
Der aus Würzburg gestohlene Datensatz umfasste Karteikarten, Dokumente und Blankoausweise, die Hinweise auf Spionageaktivitäten des MID in der DDR enthielten.
Als Folge des Würzburger Datendiebstahls verhafteten MfS und Volkspolizei in den folgenden Monaten in der DDR zahlreiche Menschen. In den folgenden Jahren fanden mehrere Prozesse gegen vermeintliche und tatsächliche Agenten des MID statt.
Nachdem das MfS Hesse für die inoffizielle Mitarbeit geworben hatte, erarbeitete es einen Perspektivplan. Dieser sah die Zerschlagung der MID-Dienststellen in West-Berlin und der Bundesrepublik sowie ihres Agentennetzes in der DDR vor.
Teil des Plans war die vom MfS initiierte Übersiedlung Hesses in den Westen, für die die Stasi eine operative Legende schuf.
Bei dem Dokument handelt es sich um eine Abschrift, die in den Akten der Hauptabteilung Kader und Schulung überliefert ist. Das MfS hatte die Originalunterlagen für die Öffentlichkeitsarbeit bearbeitet und Rückschlüsse auf damals agierende Stasi-Offiziere verschleiert.
Reg. Nr. 117/61
Plan für die Arbeit mit dem GM "Jürgen" in der Perspektive
Dazu, wurde festgelegt:
Ziel:
Liquidierung der Residentur des [anonymisiert] in Westberlin mit seinen Agenten in der DDR und weiteres Eindringen des GM "Jürgen" in die Zentrale in Westdeutschland mit dem Ziel der Zerschlagung dieser amerikanischen Geheimdienststelle und ihres Agentennetzes.
Diese operative Aufgabe seilte wie folgt gelöst werden:
1. Etappe
Aufklärung des Residenten [anonymisiert] und Feststellung seiner Agenten in der DDR durch aktive Maßnahmen in Westberlin, unter Beachtung der Sicherheit des GM "Jürgen" - Festnahmeaktion der Agenten in der DDR zur Liquidierung dieser Residentur
2. Etappe
Geschickte Ausnutzung der Zerschlagung der Residentur des [anonymisiert] als Grundlage der Übersiedlung des GM "Jürgen" nach Westberlin und Westdeutschland mit dem Ziel des tieferen Eindringens in die Geheimdienstzentrale in Westdeutschland
3. Etappe
Eindringen in die Dienststelle des amerikanischen Geheimdienstes und Schaffung entsprechender Voraussetzungen zur Besetzung einer Schlüsselfunktion
Aufklärung der Struktur und der Arbeitsmethoden des Gegners sowie Durchführung von Maßnahmen zur Zersetzung der Dienststelle
4. Etappe
Vorbereitung der Zerschlagung der amerikanischen Dienststelle durch
a) ideologisch -
Sicherstellung von Spionageunterlagen zur politisch-propagandistischen Auswertung
b) physisch -
Festnahme der gesamten Agenten dieser Dienststelle auf dem Gebiet der DDR
Aufklärung hatte innerhalb des MfS unterschiedliche Bedeutungen: Sie wird zur Bezeichnung des Tätigkeitsbereiches der Auslandsspionage verwendet, die überwiegend von der HV A getragen wurde, die teilweise auch kurz als Aufklärung bezeichnet wird. Darüber hinaus findet der Begriff Verwendung bei der Bezeichnung von Sachverhaltsermittlungen (Aufklärung eines Sachverhalts) und von Überprüfungen der Eignung von IM-Kandidaten (Aufklärung des Kandidaten).
Im Zusammenhang mit der Verwaltungsreform der DDR vom Sommer 1952 wurden die fünf Länderverwaltungen für Staatssicherheit (LVfS) in 14 Bezirksverwaltungen umgebildet. Daneben bestanden die Verwaltung für Staatssicherheit Groß-Berlin und die Objektverwaltung "W" (Wismut) mit den Befugnissen einer BV. Letztere wurde 1982 als zusätzlicher Stellvertreterbereich "W" in die Struktur der BV Karl-Marx-Stadt eingegliedert.
Der Apparat der Zentrale des MfS Berlin und der der BV waren analog strukturiert und nach dem Linienprinzip organisiert. So waren die Hauptabteilung II in der Zentrale bzw. die Abteilungen II der BV für die Schwerpunkte der Spionageabwehr zuständig usw. Auf der Linie der Hauptverwaltung A waren die Abteilung XV der BV aktiv. Einige Zuständigkeiten behielt sich die Zentrale vor: so die Militärabwehr (Hauptabteilung I) und die internationalen Verbindungen (Abteilung X) oder die Arbeit des Büros für Besuchs- und Reiseangelegenheiten in Westberlin (Abteilung XVII). Für einige Aufgabenstellungen wurde die Bildung bezirklicher Struktureinheiten für unnötig erachtet. So gab es in den 60er und 70er Jahren für die Abteilung XXI und das Büro der Leitung II Referenten für Koordinierung (RfK) bzw. Offiziere BdL II. Für spezifische Aufgaben gab es territorial bedingte Diensteinheiten bei einigen BV, z. B. in Leipzig ein selbständiges Referat (sR) Messe, in Rostock die Abt. Hafen.
An der Spitze der BV standen der Leiter (Chef) und zwei Stellv. Operativ. Der Stellv. für Aufklärung fungierte zugleich als Leiter der Abt. XV. Die Schaffung des Stellvertreterbereichs Operative Technik im MfS Berlin im Jahre 1986 führte in den BV zur Bildung von Stellv. für Operative Technik/Sicherstellung.
Von 1950 bis 1968 geltende Bezeichnung für inoffizielle Mitarbeiter mit tatsächlichem oder potenziellem Zugang zu Personen oder Organisationen, die vom MfS als feindlich eingestuft wurden. Vor allem in den 50er Jahren kamen GM häufig auch im Westen zum Einsatz. Sie sollten "wertvolle Angaben" über Spionage und "illegale, antidemokratische" Aktivitäten beschaffen, gegen "feindliche Zentralen" und "Untergrundgruppen" wirken, bei der direkten "Bearbeitung" von verdächtigen Personen eingesetzt werden, "Feinde" beobachten, ferner Beweise für "Feindtätigkeit" gewinnen und zur "Zersetzung", "Zerschlagung von feindlichen Gruppierungen" beitragen. 1968 wurde diese Kategorie in IMV und IMF gesplittet.
1953 entstanden durch Umbenennung der Hauptabteilung / Abteilung Personal; zuletzt unterteilt in die Bereiche Kader, Schulung und Disziplinar. Aufgaben: Auswahl, Einstellung, Schulung und Betreuung der MfS-Mitarbeiter, inkl. Versetzungen und Entlassungen von Angehörigen aus dem Dienst des MfS sowie Disziplinararbeit und Gewährleistung der inneren Sicherheit im MfS.
Bei der Werbung handelte es sich um die Herbeiführung einer Entscheidung von Personen (IM-Kandidat) zur inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS (bis 1968 auch gebräuchlicher bezeichnet als Anwerbung).
Im Operationsgebiet gab es selten auch die Werbung unter falscher Flagge, bei der ein Mitarbeiter des MfS als Angehöriger einer anderen Einrichtung getarnt in Erscheinung trat. Die Durchführung der Werbung war sorgfältig vorzubereiten und hatte in einen Werbungsvorschlag zu münden, der von übergeordneten Leitern bestätigt werden musste. Der Vorschlag sollte eine Analyse der Kandidatenpersönlichkeit, das Werbungsziel, die "Werbungsgrundlage" und das methodische Vorgehen, Zeit, Ort und Inhalt des geplanten "Werbegesprächs", Verhaltensvarianten, Art und Weise der Verpflichtung sowie alle Absicherungsmaßnahmen enthalten. Die getroffenen Festlegungen waren in einem Bericht zu dokumentieren.
Häufig gingen dem eigentlichen Werbungsgespräch Kontaktgespräche voraus, bei denen der Kandidat allmählich an die Werbung herangeführt werden sollte. Bei der Werbung sollten auch Interessen des Kandidaten eine Rolle spielen, da das MfS davon ausging, dass dieser für sich "Aufwand, Nutzen und Risiko" gegeneinander abwägen würde.
Das MfS unterschied drei kategorial unterschiedliche "Werbungsgrundlagen":
Letztere spielten häufig bei Werbung unter Druck, zum Beispiel unter Heranziehung kompromitierender Informationen (Kompromat) eine Rolle.
Bei der Werbung war dem Kandidaten möglichst das Gefühl zu geben, seine Entscheidung würde frei und wohlüberlegt fallen. Ihre Ernsthaftigkeit sollte durch die Preisgabe interner beruflicher oder privater Kenntnisse unterstrichen werden. Ziel der Werbung war im Regelfall eine förmliche Verpflichtung. Teil der Werbung war ein erster operativer Auftrag. Die vorab getroffenen Festlegungen waren im Werbungsvorschlag, die durchgeführte Werbung im Werbungsbericht zu dokumentieren.
Zersetzung war eine Methode der verdeckten Bekämpfung von Personen und Personengruppen, die vom MfS als "feindlich-negativ" angesehen wurden. Ziel der Zersetzung war laut der hier einschlägigen Richtlinie zur Bearbeitung Operativer Vorgänge von 1976, gegnerische Kräfte zu zersplittern, zu lähmen, zu desorganisieren und sie untereinander und von der Umwelt zu isolieren. "Feindliche" Handlungen sollten so vorbeugend verhindert, eingeschränkt oder unterbunden werden.
Ziele der Zersetzung waren zumeist staatsunabhängige Friedens-,Ökologie- und Menschenrechtsgruppen, Ausreiseantragsteller, aktive Christen sowie Personen und Organisationen im Operationsgebiet, die das MfS der politischen Untergrundtätigkeit gegen die DDR verdächtigte.
Gegen einzelne Personen gerichtete Maßnahmen der Zersetzung waren gemäß Richtlinie 1/76 etwa die "systematische Diskreditierung des öffentlichen Rufes, des Ansehens und des Prestiges auf der Grundlage miteinander verbundener wahrer, überprüfbarer diskreditierender sowie unwahrer, glaubhafter, nicht widerlegbarer und damit ebenfalls diskreditierender Angaben" oder die "systematische Organisierung beruflicher und gesellschaftlicher Misserfolge zur Untergrabung des Selbstvertrauens".
In Gruppierungen versuchte das MfS Misstrauen, Neid, Rivalitäten und gegenseitige Verdächtigung zu erzeugen und sie im Zusammenwirken mit anderen Staatsorganen durch Arbeitsplatzbindungen, Berufsverbote, Einberufungen zum Wehrdienst oder Zwangsausbürgerungen zu paralysieren. Die Zersetzung entfaltete ihre Wirksamkeit häufig durch den kombinierten Einsatz unterschiedlicher Maßnahmen in einer längerwährenden Aktion.
Die von Jürgen Fuchs als "leiser Terror" bezeichnete Zersetzung galt laut Richtlinie als "relativ selbständige Art des Abschlusses Operativer Vorgänge" und diente somit als Ersatz für Strafverfolgungsmaßnahmen, die in der Honecker-Ära insbesondere bei der Bekämpfung von Oppositionellen aus Gründen der internationalen Reputation häufig politisch nicht mehr opportun waren.
Vor der Umsetzung von Maßnahmen der Zersetzung waren entsprechende Pläne detailliert auszuarbeiten, die vom Leiter der jeweiligen HA, selbständigen Abteilung oder BV oder im Falle von Organisationen, Gruppen oder herausgehobenen Persönlichkeiten vom Minister oder seinem zuständigen Stellvertreter bestätigt werden mussten.
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Signatur: BArch, MfS, HA KuSch, Nr. 20017, Bl. 37-43
Horst Hesse arbeitete ab Januar 1954 als Geheimer Mitarbeiter „Jürgen“ für die Staatssicherheit. Nach seiner Werbung erstellte das MfS einen Perspektivplan für den Einsatz Hesses in West-Berlin und der Bundesrepublik.
Anfang 1954 geriet Horst Hesse in das Blickfeld des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und dessen Magdeburger Bezirksverwaltung (BV): Er hatte diese kurz zuvor darüber informiert, dass ein ehemaliger Nachbar ihn als Agenten für den amerikanischen Militärgeheimdienst Military Intelligence Division (MID) angeworben hatte. Hesse sollte Liegenschaften der sowjetischen Streitkräfte in und um Magdeburg auskundschaften.
Das MfS verpflichtete ihn daraufhin zur inoffiziellen Mitarbeit (Deckname „Jürgen“). Es versorgte Hesse – unter Mitwirkung der sowjetischen Seite – mit präpariertem Material, wie z. B. Fotos von Kasernen. Durch seine vermeintlichen Spionageerfolge in der DDR gewann er mehr und mehr das Vertrauen seiner US-amerikanischen Auftraggeber, die ihn unter dem Decknamen „Lux“ führten.
Im August 1954 floh Hesse mit Wissen des MfS in die Bundesrepublik. Dort stattete ihn die MID mit einem neuen Namen aus: Horst Berger. Hesse war zunächst für die Befragung von DDR-Flüchtlingen zuständig. Anschließend wechselte er in die MID-Dienststelle nach Würzburg. In der beschaulichen Stadt am Main wertete Hesse DDR-Post aus und warb Agenten für den US-Geheimdienst an. Dass der hochmotivierte Mitarbeiter regelmäßig in Kontakt mit dem MfS stand, war den Amerikanern auch nach akribischen Sicherheitsüberprüfungen verborgen geblieben.
Nachdem sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MID-Dienststelle in Würzburg ins verlängerte Pfingstwochenende verabschiedet hatten, lief die vom MfS geplante Aktion „Schlag“ an. Hesse und zwei ebenfalls in den Diensten der DDR-Geheimpolizei stehende Komplizen, darunter Hans Wax (Deckname „Donner“), entwendeten zwei Panzerschränke aus der Würzburger Dienststelle. Sie luden diese in einen Mercedes 190 SL und setzten sich am 20. Mai 1956 über den Grenzübergang Helmstedt-Marienborn in die DDR ab.
Der aus Würzburg gestohlene Datensatz umfasste Karteikarten, Dokumente und Blankoausweise, die Hinweise auf Spionageaktivitäten des MID in der DDR enthielten.
Als Folge des Würzburger Datendiebstahls verhafteten MfS und Volkspolizei in den folgenden Monaten in der DDR zahlreiche Menschen. In den folgenden Jahren fanden mehrere Prozesse gegen vermeintliche und tatsächliche Agenten des MID statt.
Nachdem das MfS Hesse für die inoffizielle Mitarbeit geworben hatte, erarbeitete es einen Perspektivplan. Dieser sah die Zerschlagung der MID-Dienststellen in West-Berlin und der Bundesrepublik sowie ihres Agentennetzes in der DDR vor.
Teil des Plans war die vom MfS initiierte Übersiedlung Hesses in den Westen, für die die Stasi eine operative Legende schuf.
Bei dem Dokument handelt es sich um eine Abschrift, die in den Akten der Hauptabteilung Kader und Schulung überliefert ist. Das MfS hatte die Originalunterlagen für die Öffentlichkeitsarbeit bearbeitet und Rückschlüsse auf damals agierende Stasi-Offiziere verschleiert.
Reg. Nr. 117/61
Zielstellung und Festlegung der ersten aktiven Maßnahme gegen den Residenten [anonymisiert] in Westberlin
Zur Schaffung der Grundlage der Legende zum Übersiedeln des GM "Jürgen" in eine Dienststelle des amerikanischen Geheimdienstes nach Westdeutschland war es notwendig, daß die Festnahme des Agenten des Residenten [anonymisiert] in der DDR noch in der gleichen Nacht erfolgen, wo die Unterlagen aus der Wohnung des Residenten geholt werden.
Dazu war notwendig, daß dieser Aktion eine aktive Maßnahme in Westberlin vorausging, die es dem MfS ermöglichte, bereits vor der Aktion alle in der DDR von [anonymisiert] ausgehaltenen Agenten genau zu bestimmen.
Es wurde festgelegt, daß der GM "Jürgen" sich in die Wohnung des Residenten [anonymisiert] in Westberlin begibt, um alle diese Angaben zu beschaffen.
Der GM "Jürgen" mußte, trotz aller Gefahr, diese Maßnahme selbst durchführen, da er mit den Räumlichkeiten und der Lage der Wohnung sowie der Unterbringung der Spionageunterlagen und dem Verhalten der Bewohner bestens vertraut war.
Diese Maßnahme mußte in Abwesenheit des Residenten [anonymisiert] sowie seiner Geliebten und der Wirtin [anonymisiert] erfolgen.
Da dem MfS bekannt war, daß der Resident [anonymisiert] und seine Geliebte regelmäßig längere Zeit die Wohnung zusammen verliessen und zur gleichen Zeit auch die Wirtin [anonymisiert] sich für mehrere Stunden aus dem Hause befand, war eine günstige Lage, die vom MfS geplante aktive Maßnahme durchzuführen.
Dazu war aber erforderlich, vorher bis in alle Einzelheiten zu wissen
a) Wie sind die Wohnverhältnisse, wie liegen die Zimmer, wie ist die Wohnungseinrichtung?
b) Wer benutzt welche Zimmer?
o) Wie ist die Lage des Hauses und wie die des Wohngebietes, welche Straßen müssen benutzt werden?
d) Wo und wie wird das Spionagematerial untergebracht?
Im Zusammenhang mit der Verwaltungsreform der DDR vom Sommer 1952 wurden die fünf Länderverwaltungen für Staatssicherheit (LVfS) in 14 Bezirksverwaltungen umgebildet. Daneben bestanden die Verwaltung für Staatssicherheit Groß-Berlin und die Objektverwaltung "W" (Wismut) mit den Befugnissen einer BV. Letztere wurde 1982 als zusätzlicher Stellvertreterbereich "W" in die Struktur der BV Karl-Marx-Stadt eingegliedert.
Der Apparat der Zentrale des MfS Berlin und der der BV waren analog strukturiert und nach dem Linienprinzip organisiert. So waren die Hauptabteilung II in der Zentrale bzw. die Abteilungen II der BV für die Schwerpunkte der Spionageabwehr zuständig usw. Auf der Linie der Hauptverwaltung A waren die Abteilung XV der BV aktiv. Einige Zuständigkeiten behielt sich die Zentrale vor: so die Militärabwehr (Hauptabteilung I) und die internationalen Verbindungen (Abteilung X) oder die Arbeit des Büros für Besuchs- und Reiseangelegenheiten in Westberlin (Abteilung XVII). Für einige Aufgabenstellungen wurde die Bildung bezirklicher Struktureinheiten für unnötig erachtet. So gab es in den 60er und 70er Jahren für die Abteilung XXI und das Büro der Leitung II Referenten für Koordinierung (RfK) bzw. Offiziere BdL II. Für spezifische Aufgaben gab es territorial bedingte Diensteinheiten bei einigen BV, z. B. in Leipzig ein selbständiges Referat (sR) Messe, in Rostock die Abt. Hafen.
An der Spitze der BV standen der Leiter (Chef) und zwei Stellv. Operativ. Der Stellv. für Aufklärung fungierte zugleich als Leiter der Abt. XV. Die Schaffung des Stellvertreterbereichs Operative Technik im MfS Berlin im Jahre 1986 führte in den BV zur Bildung von Stellv. für Operative Technik/Sicherstellung.
Von 1950 bis 1968 geltende Bezeichnung für inoffizielle Mitarbeiter mit tatsächlichem oder potenziellem Zugang zu Personen oder Organisationen, die vom MfS als feindlich eingestuft wurden. Vor allem in den 50er Jahren kamen GM häufig auch im Westen zum Einsatz. Sie sollten "wertvolle Angaben" über Spionage und "illegale, antidemokratische" Aktivitäten beschaffen, gegen "feindliche Zentralen" und "Untergrundgruppen" wirken, bei der direkten "Bearbeitung" von verdächtigen Personen eingesetzt werden, "Feinde" beobachten, ferner Beweise für "Feindtätigkeit" gewinnen und zur "Zersetzung", "Zerschlagung von feindlichen Gruppierungen" beitragen. 1968 wurde diese Kategorie in IMV und IMF gesplittet.
1953 entstanden durch Umbenennung der Hauptabteilung / Abteilung Personal; zuletzt unterteilt in die Bereiche Kader, Schulung und Disziplinar. Aufgaben: Auswahl, Einstellung, Schulung und Betreuung der MfS-Mitarbeiter, inkl. Versetzungen und Entlassungen von Angehörigen aus dem Dienst des MfS sowie Disziplinararbeit und Gewährleistung der inneren Sicherheit im MfS.
Bei der Werbung handelte es sich um die Herbeiführung einer Entscheidung von Personen (IM-Kandidat) zur inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS (bis 1968 auch gebräuchlicher bezeichnet als Anwerbung).
Im Operationsgebiet gab es selten auch die Werbung unter falscher Flagge, bei der ein Mitarbeiter des MfS als Angehöriger einer anderen Einrichtung getarnt in Erscheinung trat. Die Durchführung der Werbung war sorgfältig vorzubereiten und hatte in einen Werbungsvorschlag zu münden, der von übergeordneten Leitern bestätigt werden musste. Der Vorschlag sollte eine Analyse der Kandidatenpersönlichkeit, das Werbungsziel, die "Werbungsgrundlage" und das methodische Vorgehen, Zeit, Ort und Inhalt des geplanten "Werbegesprächs", Verhaltensvarianten, Art und Weise der Verpflichtung sowie alle Absicherungsmaßnahmen enthalten. Die getroffenen Festlegungen waren in einem Bericht zu dokumentieren.
Häufig gingen dem eigentlichen Werbungsgespräch Kontaktgespräche voraus, bei denen der Kandidat allmählich an die Werbung herangeführt werden sollte. Bei der Werbung sollten auch Interessen des Kandidaten eine Rolle spielen, da das MfS davon ausging, dass dieser für sich "Aufwand, Nutzen und Risiko" gegeneinander abwägen würde.
Das MfS unterschied drei kategorial unterschiedliche "Werbungsgrundlagen":
Letztere spielten häufig bei Werbung unter Druck, zum Beispiel unter Heranziehung kompromitierender Informationen (Kompromat) eine Rolle.
Bei der Werbung war dem Kandidaten möglichst das Gefühl zu geben, seine Entscheidung würde frei und wohlüberlegt fallen. Ihre Ernsthaftigkeit sollte durch die Preisgabe interner beruflicher oder privater Kenntnisse unterstrichen werden. Ziel der Werbung war im Regelfall eine förmliche Verpflichtung. Teil der Werbung war ein erster operativer Auftrag. Die vorab getroffenen Festlegungen waren im Werbungsvorschlag, die durchgeführte Werbung im Werbungsbericht zu dokumentieren.
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Schlussbericht über die Werbung Horst Hesses als Geheimer Informator „Jürgen“ Dokument, 2 Seiten
Vermerk über die „Verbindungsaufnahme“ des MfS mit dem Geheimen Mitarbeiter „Jürgen“ Dokument, 1 Seite
Vortrag Horst Hesses in der Bezirksverwaltung Suhl 5 Fotografien
Fragen zu einem Vortrag Horst Hesses Dokument, 1 Seite