Signatur: BArch, MfS, AU, Nr. 821/62, Bl. 6-9
Ein Bericht des MfS vom 6. August 1961 schildert die Ermittlungen gegen Peter Lemke, der mit seinem Gewehr auf sowjetische Flugzeuge gezielt haben soll. Die Geheimpolizei hatte den Fall kurz zuvor von der Volkspolizei übernommen.
Am Abend des 4. August 1961 ging Peter Lemke (Name geändert) auf einem Feld im Kreis Belzig (Bezirk Potsdam) auf Wildschweinjagd. Dabei wurden zwei sowjetische Soldaten auf ihn aufmerksam. Sie gehörten einem Sonderkommando an, das nach mehreren Flugzeugabstürzen rund um den nahegelegenen sowjetischen Flugplatz Zerbst (Bezirk Magdeburg) im ersten Halbjahr 1961 eingesetzt worden war.
Die Soldaten beobachteten, wie Lemke vermeintlich mit seinem Gewehr auf sowjetische Jagdflugzeuge am Himmel zielte. Sie riefen ihn an, er konnte die Soldaten aber nicht sehen und die Stimmen nicht zuordnen. Kurz darauf fielen die ersten Schüsse.
Nachdem Lemke kurz hinter einer Getreidehocke Deckung gesucht hatte, versuchte er, über die Felder zu fliehen. Dabei verletzten die Soldaten ihn mit einem Streifschuss am Hals und nahmen ihn fest. Nach etwa einer Stunde traf ein LKW ein, der Lemke ins Lazarett der sowjetischen Kaserne Zerbst fuhr. Dort versorgte ihn ein Arzt, bevor er ins Volkspolizeikreisamt (VPKA) Zerbst gebracht wurde.
Am nächsten Tag informierte das VPKA Zerbst das VPKA Belzig über den Vorfall, wo die Abteilung Kriminalpolizei die Ermittlungen aufnahm. Sie befragte Lemke, durchsuchte sein Haus und beging den Tatort – in Anwesenheit von Mitarbeitern der sowjetischen Kommandantur. Außerdem informierte die Volkspolizei das Ministerium für Staatssicherheit (MfS).
Da der Verdacht der „Diversion“ – eines „Staatsverbrechens“ – im Raum stand, übernahm die Geheimpolizei den Fall. Das VPKA Belzig übergab den Vorgang am 6. August 1961 an das MfS.
Nachdem die Staatssicherheit den Fall an sich gezogen hatte, erstellte sie noch am selben Tag einen Bericht über den Tathergang und die bisherigen Ermittlungen der Volkspolizei.
In dem Dokument fasste das MfS u. a. Lemkes Verbindungen zu Bekannten und Kollegen sowie persönliche Angaben zu ihm und seiner Familie zusammen.
Berlin, dem 06.08.1961
Bericht
Der Tatort - [anonymisiert] - liegt ca. [anonymisiert] km vom Flugplatz der sowjetischen Luftstreitkräfte entfernt.
(In der Nähe der Kreisstadt Zerbst).
Die Erdmarkierung der Einflugschneise zieht sich bis zu ca. 3 km außerhalb des Flugplatzes hin.
Über [anonymisiert] Kreis Belzig, als auch über das betreffende Getreidefeld, führt der Anflug zur Einflugschneise des Flugplatzes. Deswegen sind auf einem Gebäude in [anonymisiert] rote Signallampen angebracht. Die Flugzeuge fliegen dort in einer Höhe von 800 - 1.000 Meter.
Beobachtungsmöglichkeiten zum Flugplatz bezw. zu einem anderen auf der Erde befindlichen militärischen Objekt sind nicht gegeben.
Zur Tatzeit (20:30 Uhr) befanden sich mehrere sowjetische Flugzeuge (Düsenjäger) in der Luft.
Seit dem Frühjahr 1961 sind in der Umgebung des Flugplatzes 3 Düsenjäger aus nicht festgestellten Gründen abgestürzt. Dieses geschah bei [anonymisiert], bei Zerbst und bei Wittbrietzen.
Um eventuell den Gründen der Abstürze auf die Spur zu kommen, wurden sowjetische Soldaten in der Nähe der Anflugstrecke und der Einflugschleuse aufgestellt. So sollte dadurch festgestellt werden, ob der Gebrauch von Handfeuerwaffen gegen die in der Luft befindlichen Flugzeuge gerichtet ist.
In der näheren Umgebung von [anonymisiert] standen diese Posten seit etwa 8 Tagen, am 04.08.1961 waren sie ca. 30 Meter von der Stelle entfernt, wo [pseudonymisiert: Lemke] der Jagd nachgehen wollte.
aktuelle Seite 1
Zur Seite 2 wechseln
Zur Seite 3 wechseln
Zur Seite 4 wechseln
Signatur: BArch, MfS, AU, Nr. 821/62, Bl. 6-9
Ein Bericht des MfS vom 6. August 1961 schildert die Ermittlungen gegen Peter Lemke, der mit seinem Gewehr auf sowjetische Flugzeuge gezielt haben soll. Die Geheimpolizei hatte den Fall kurz zuvor von der Volkspolizei übernommen.
Am Abend des 4. August 1961 ging Peter Lemke (Name geändert) auf einem Feld im Kreis Belzig (Bezirk Potsdam) auf Wildschweinjagd. Dabei wurden zwei sowjetische Soldaten auf ihn aufmerksam. Sie gehörten einem Sonderkommando an, das nach mehreren Flugzeugabstürzen rund um den nahegelegenen sowjetischen Flugplatz Zerbst (Bezirk Magdeburg) im ersten Halbjahr 1961 eingesetzt worden war.
Die Soldaten beobachteten, wie Lemke vermeintlich mit seinem Gewehr auf sowjetische Jagdflugzeuge am Himmel zielte. Sie riefen ihn an, er konnte die Soldaten aber nicht sehen und die Stimmen nicht zuordnen. Kurz darauf fielen die ersten Schüsse.
Nachdem Lemke kurz hinter einer Getreidehocke Deckung gesucht hatte, versuchte er, über die Felder zu fliehen. Dabei verletzten die Soldaten ihn mit einem Streifschuss am Hals und nahmen ihn fest. Nach etwa einer Stunde traf ein LKW ein, der Lemke ins Lazarett der sowjetischen Kaserne Zerbst fuhr. Dort versorgte ihn ein Arzt, bevor er ins Volkspolizeikreisamt (VPKA) Zerbst gebracht wurde.
Am nächsten Tag informierte das VPKA Zerbst das VPKA Belzig über den Vorfall, wo die Abteilung Kriminalpolizei die Ermittlungen aufnahm. Sie befragte Lemke, durchsuchte sein Haus und beging den Tatort – in Anwesenheit von Mitarbeitern der sowjetischen Kommandantur. Außerdem informierte die Volkspolizei das Ministerium für Staatssicherheit (MfS).
Da der Verdacht der „Diversion“ – eines „Staatsverbrechens“ – im Raum stand, übernahm die Geheimpolizei den Fall. Das VPKA Belzig übergab den Vorgang am 6. August 1961 an das MfS.
Nachdem die Staatssicherheit den Fall an sich gezogen hatte, erstellte sie noch am selben Tag einen Bericht über den Tathergang und die bisherigen Ermittlungen der Volkspolizei.
In dem Dokument fasste das MfS u. a. Lemkes Verbindungen zu Bekannten und Kollegen sowie persönliche Angaben zu ihm und seiner Familie zusammen.
-2-
[pseudonymisiert: Lemke] war ausgerüstet mit 1 Fernglas 7 x 5 und einem Drilling mit Zielfernrohr (4fache Vergrößerung). Als Munition benutzte er Bleigeschoße.
Der Tatort gehört zum Jagdgebiet des [pseudonymisiert: Lemke] [anonymisiert].
Auf die Jagdstelle (Tatort Getreidefeld) wurde er von dem LPG-Bauern [pseudonymisiert: Manfred Gutherr] aufmerksam gemacht [anonymisiert].
[pseudonymisiert: Lemke] war dort den 4. Abend.
Am 04.08.1961 ging er mit dem Bürgermeister [pseudonymisiert: Hans Reiter] zur Jagd. Vor dem Waldstück trennten sie sich. Deshalb hat [pseudonymisiert: Reiter] den Vorfall - außer der Wahrnehmung der Schüsse - nicht bemerkt.
[pseudonymisiert: Lemke] ist der Sohn eines [anonymisiert].
Die [anonymisiert] wurde nach dem Tod des Vaters verpachtet.
Die Mutter lebt noch in [anonymisiert] und bestreitet den Lebensunterhalt von der Pacht.
Der Vater war Mitglied der faschistischen SA. Er beschäftigte 5 Arbeitskräfte.
[pseudonymisiert: Lemke] besuchte nach der Grundschule die Oberschule. Er [anonymisiert] meldete sich freiwillig zum RAD und anschließend freiwillig zu den Fallschirmjägern der faschistischen Wehrmacht. Sein letzter Dienstgrad war Leutnant.
Er hatte für seine Luft- und Erdeinsätze mehrere Auszeichnungen darunter das EK 1. Klasse. Ein Jahr befand er sich in englischer Gefangenschaft.
Seine Schwester ist verheiratet und wohnt in [anonymisiert].
Eine Schwester seiner Ehefrau wohnt in Westdeutschland, dorthin besteht briefliche Verbindung.
Aus einer Beurteilung der VP vom 18.10.1960 ist zu ersehen, daß [pseudonymisiert: Lemke] [anonymisiert].
Zur Seite 1 wechseln
aktuelle Seite 2
Zur Seite 3 wechseln
Zur Seite 4 wechseln
Signatur: BArch, MfS, AU, Nr. 821/62, Bl. 6-9
Ein Bericht des MfS vom 6. August 1961 schildert die Ermittlungen gegen Peter Lemke, der mit seinem Gewehr auf sowjetische Flugzeuge gezielt haben soll. Die Geheimpolizei hatte den Fall kurz zuvor von der Volkspolizei übernommen.
Am Abend des 4. August 1961 ging Peter Lemke (Name geändert) auf einem Feld im Kreis Belzig (Bezirk Potsdam) auf Wildschweinjagd. Dabei wurden zwei sowjetische Soldaten auf ihn aufmerksam. Sie gehörten einem Sonderkommando an, das nach mehreren Flugzeugabstürzen rund um den nahegelegenen sowjetischen Flugplatz Zerbst (Bezirk Magdeburg) im ersten Halbjahr 1961 eingesetzt worden war.
Die Soldaten beobachteten, wie Lemke vermeintlich mit seinem Gewehr auf sowjetische Jagdflugzeuge am Himmel zielte. Sie riefen ihn an, er konnte die Soldaten aber nicht sehen und die Stimmen nicht zuordnen. Kurz darauf fielen die ersten Schüsse.
Nachdem Lemke kurz hinter einer Getreidehocke Deckung gesucht hatte, versuchte er, über die Felder zu fliehen. Dabei verletzten die Soldaten ihn mit einem Streifschuss am Hals und nahmen ihn fest. Nach etwa einer Stunde traf ein LKW ein, der Lemke ins Lazarett der sowjetischen Kaserne Zerbst fuhr. Dort versorgte ihn ein Arzt, bevor er ins Volkspolizeikreisamt (VPKA) Zerbst gebracht wurde.
Am nächsten Tag informierte das VPKA Zerbst das VPKA Belzig über den Vorfall, wo die Abteilung Kriminalpolizei die Ermittlungen aufnahm. Sie befragte Lemke, durchsuchte sein Haus und beging den Tatort – in Anwesenheit von Mitarbeitern der sowjetischen Kommandantur. Außerdem informierte die Volkspolizei das Ministerium für Staatssicherheit (MfS).
Da der Verdacht der „Diversion“ – eines „Staatsverbrechens“ – im Raum stand, übernahm die Geheimpolizei den Fall. Das VPKA Belzig übergab den Vorgang am 6. August 1961 an das MfS.
Nachdem die Staatssicherheit den Fall an sich gezogen hatte, erstellte sie noch am selben Tag einen Bericht über den Tathergang und die bisherigen Ermittlungen der Volkspolizei.
In dem Dokument fasste das MfS u. a. Lemkes Verbindungen zu Bekannten und Kollegen sowie persönliche Angaben zu ihm und seiner Familie zusammen.
In seinem Wohnort ist er sehr eng befreundet mit dem jetzigen [pseudonymisiert: Ernst Herold. Dieser ist der Sohn des [anonymisiert]. Der Betrieb ist heute an die staatliche Forstwirtschaft verpachtet. [pseudonymisiert: Herold] erhält hierfür monatlich 2.000.- DM Pacht. Er war seit 1939 Mitglied der SA und seit 1940 Mitglied der faschistischen Partei.
Sein Vater beschäftigte während des II. Weltkrieges zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppte ausländische Staatsbürger. Nach 1945 betrieben [pseudonymisiert: Herold] sen. und jun. viele wirtschaftliche Manipulationen.
[pseudonymisiert: Ernst Herold] besitzt mehrere Kraftfahrzeuge, ist aber Verdienter Aktivist.
Zu den Mitgliedern des Jagdkollektivs
[anonymisiert], [anonymisiert], Angestellter im VEB Coswig [pseudonymisiert: Reiter, Hans], Bürgermeister
[anonymisiert], [anonymisiert], Rev. Förster
[pseudonymisiert: Schrauber, Karsten], Vorsitzender der [anonymisiert]
ergaben sich keine Anhaltspunkte. Es wurde nur bekannt, daß
[pseudonymisiert: Schrauber] sehr egoistisch ist und ein eigenes Zielfernrohr besitzt. Er ist nicht beliebt.
Eine FA-10-Prüfung der bisher genannten Personen erfolgte noch nicht. Die Hausdurchsuchung bei [pseudonymisiert: Lemke] wird am Montag durchgeführt, weil die Ehefrau nicht anwesend war (Durchführung VPKA Belzig).
In der Vernehmung sagt [pseudonymisiert: Lemke] aus, daß er "auf einem in der Luft befindlichen Flugzeug gezielt bezw. habe ich mir das Flugzeug durch das Zielfernrohr angesehen"
Zu dieser Aussage wurde [pseudonymisiert: Lemke] im Krankenhaus Zerbst nochmals gehört.
Er sagte zunächst, daß dieses nicht ganz richtig geschrieben wurde. Er hat nicht gezielt, sondern sich das Flugzeug nur angesehen. Auf die Frage, daß dies durch sein mitgeführtes
Zur Seite 1 wechseln
Zur Seite 2 wechseln
aktuelle Seite 3
Zur Seite 4 wechseln
Stimmungsbericht zur Festnahme eines Mannes im Kreis Belzig Dokument, 3 Seiten
Befragung von Sachverständigen zum Beschuss von Jagdflugzeugen Dokument, 3 Seiten
Spitzenmeldung der Volkspolizei zu einem Vorfall im Kreis Belzig Dokument, 2 Seiten
Untersuchungsexperiment zum Beschuss von Jagdflugzeugen Dokument, 7 Seiten