Bericht eines Inoffiziellen Mitarbeiters über die Initiative "Sozialer Friedensdienst"
Signatur: BArch, MfS, BV Suhl, Abt. XX, Nr. 486, Bl. 94-96
Ein Inoffizieller Mitarbeiter berichtete während seines Einsatzes im Wasunger Karneval 1983 über die Initiative "Sozialer Friedensdienst". Sie war ins Visier der Stasi geraten, weil sie der vormilitärischen Erziehung kritisch gegenüber stand.
Der traditionsreiche Wasunger Karneval wurde Mitte der 1970er Jahre zu einem beliebten Reiseziel unangepasster Jugendlicher. Sie wollten dem grauen DDR-Alltag entfliehen und suchten in der thüringischen Provinz ein paar Tage voller Spaß, Alkohol und Abwechslung. Die selbsternannten "Kunden" wurden dabei durch die Stasi systematisch überwacht, wie aufgefundene Unterlagen, Fotografien und Filme dokumentieren.
Aus der gesamten DDR reisten Jugendliche in die thüringische Provinz. Ihre Ausrüstung bestand oft nur aus einigen Flaschen Bier und einer Decke. Wer die Kontrollpunkte der Transport- und Volkspolizei passieren konnte und es bis Wasungen schaffte, übernachtete dort, wo er konnte: in Schlafsälen, in Kellern, in Scheunen oder auf Dachböden. In der Besuchermenge bildeten die "Kunden" eine Gruppe, die sich deutlich von dem traditionellen Karnevalsumzug abhob. Statt Prinzenkostüm oder Narrenkappe trugen sie lange Haare, Bärte, Jeans und Parka.
Die unkontrollierte Ankunft von mehreren hundert unangepassten Jugendlichen forderte die "staatlichen Organe" der DDR heraus. Denn die "Kunden" folgten nicht dem Umzugstreiben oder lauschten den Büttenreden, sondern sie stürmten überfallartig die wenigen Kneipen der Kleinstadt.
Der vorliegende Bericht stammt von einem IM, der für das MfS während des Wasunger Karnevals zum Einsatz kam. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Abschrift einer vorangegangenen mündlichen oder schriftlichen Information. Das MfS interessierte vor allem welche Kneipen und Gaststätten "negativ-dekadente" Jugendliche bevorzugten. In diesem Zusammenhang erfuhr der IM, dass auch Mitglieder der Initiative "Sozialer Friedensdienst" den Karneval in Wasungen besuchten. Zudem erläuterten die Gesprächspartner dem IM einige Abzeichen, die die Unterstützer der Initiative zur gegenseitigen Erkennung nutzten.
Metadaten
- Diensteinheit:
- Bezirksverwaltung Suhl, Abteilung XX
- Datum:
- 14.2.1983
Er selbst sei gebürtiger [anonymisiert], hat in [anonymisiert] studiert, sein Staatsexamen gemacht und strebt den Titel eines kirchlichen Würdenträgers an.
Er fährt schon 7 Jahre nach Wasungen zum Karneval und ist mit einen teil seiner Gruppe privat untergebracht und hat die anderen seiner Gruppe bei Freunden unterbringen können.
Nachdem ich ihm mitteilte, wo ich arbeite, und dass ich mit kirchlichen Amtsträgern oft zu tun hätte, wurde er mit gegenüber sehr aufgeschlossen und meine Frage an ihn lautete, was seine persönlichen Meinung zur SoFd-Bewegung ist.
Er äußerte, dass über die Kirche und der Kirchentage, die in Dresden stattfanden sowie der evangelische Kirchentag in Eisenach des Tragen des SoFd-Abzeichens offiziell verboten wurde, weil es der Staat nicht so haben möchte.
Verständlich ist, dass man in der gegenwärtigen Situation mit Pflugscharen keine Verteidigung aufbauen könne.
Weiterhin betonte er, was soll das Verbot dieses Abzeichens, aber in Abwandlung jedoch nichts anders bedeutend, es vier verschiedene Abzeichen gibt, die das SoFd-Abzeichen ergänzen., die staatliche Organe, Sicherheitskräfte und DVP das Abzeichen ansehen, aber nicht wissen, was gemeint ist. Das sei ihr Geheimnis, der Gedanke müsse weiterleben.
Er erläuterte mir die 4 Abzeichen:
- rund, 2 cm Ø weiß in der Mitte ein schwarzer Punkt;
- 4 cm Ø weiß, schwarzer Rand, in der mit schwarzer Punkt;
- 2,4 oder 5 cm Ø, weiß, in schwarz das Zeichen Ψ:
- 3 bzw. 5 cm, weißer Grund, in rot oder schwarz das Zeichen einer Fackel darauf.
Weiter im Gespräch kamen wir darauf, dass gegenwärtig von ihm wie folgt die SoFd-Bewegung (Anhänger) deklariert wurden.
In der DDR gibt es unter der Bezeichnung "Panker" (sic!) – der harte Kern der SoFd-Bewegung.
Sie sind sich zwar untereinander nicht einig, aber eines vertreten sie, durch ihre unmögliche äußere Erscheinung – Glatze, grüne, rote, übriggebliebene Bürste auf dem Kopf, blaue dekorierte Augenränder, die Bürger aufzurütteln, ist die Absicht, um gegen das Spießertum, Fernsehapparat und im Rücken Schrankwand, vorzugehen, um zu erreichen, dass durch Aggressivität die Bürger aufgerüttelt werden, damit sie etwas gegen Kriegsaggression in der Welt unternehmen.
Die zweite Gruppe fällt unter der Bezeichnung "Gammler" und ist eine Nebengruppe der „Panker“ (sic!), die hauptsächlich die Absicht betreiben, durch übermäßigen Alkoholgenuss, schmutzige Kleidung, aggressives Auftreten in Gruppen, einzeln nie auf sich aufmerksam machen, um zu erreichen, dass mit ihnen gesprochen werden muss.
Auf meine Frage, wieviel "Panker" (sic!) sich in Wasungen aufhalten, antwortete er mir, 60.