Signatur: BArch, MfS, HA XX, ZMA, Nr. 20037, Bl. 105-106
1984 besuchte Udo Lindenberg unangemeldet Ost-Berlin. Ein dazu gebetener FDJ-Funktionär erstattete darüber genau Bericht.
Am 15. Januar 1984 besuchte Udo Lindenberg die DDR-Band Mona Lise in Ost-Berlin. Er bat einen FDJ-Funktionär hinzu, den er während seines Auftritts im Oktober des Vorjahres im Palast der Republik kennengelernt hatte. Offiziell angemeldet wurde der Besuch jedoch nicht. Auch der Funktionär informierte zunächst niemanden über die Visite des westdeutschen Musikers.
Der vorliegende Bericht des FDJ-Funktionärs entstand erst nach dem Besuch. Mittlerweile hatte sich der Autor stark kritisieren lassen müssen, weil er nicht sofort Meldung erstattet hatte. Lindenbergs Tournee war unter anderem wegen dieses Besuchs abgesagt worden. Zudem war der Funktionär in den Verdacht geraten, Udo Lindenberg bei einer von der Stasi vermuteten politischen Kampagne gegen die DDR unterstützt zu haben. Der vorliegende Bericht ist daher nicht nur eine Schilderung des Besuchs, sondern auch eine Rechtfertigung des Funktionärs. Ungeachtet dessen verlor er alle seine Ämter.
Information
Am 14.1. rief mich gegen Mittag [geschwärzt] an. Er teilte mir mit, daß morgen Udo und [geschwärzt] nach Berlin / DDR kommen wollten, um sich mit Mona Lise zu treffen. Sie würden sich für diese Frauenband interessieren. Ich riet von diesem Besuch ab. Man könnte vermuten, daß es einen Zusammenhang zu "Rock für den Frieden" gäbe. [geschwärzt] stimmte meinen Gedanken zu und versprach, auf eine Terminänderung hinzuwirken. Ich bat ihn, mich auf dem laufenden zu halten, falls der Besuch doch stattfinden sollte.
Am 15.1. gegen 16.30 Uhr erhielt ich wieder einen Anruf, daß man doch gefahren sei, und daß der Grenzübergang reibungslos verlaufen sei. Es wäre schön, sich mit mir in der Manetstr. 20 zu treffen. Daraufhin fuhr ich unverzüglich in die Manetstraße. In einem kleinen Probenraum stellten die 4 Musikerinnen von Mona Lise ihre Musik vor. Man unterhielt sich ausschließlich über künstlerische Dinge, Arrangements usw.
Am Rande unterhielt ich mich mit [geschwärzt]
Er teilte unseren Ärger über BAP und meinte, solches Verhalten wäre verantwortungslos. Er selbst habe mit BAP auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Die Gruppe wolle Schlagzeilen um jeden Preis machen.
Udo L. teilte die Verurteilung von BAP.
Er meinte, die Gruppe wollte für Aufsehen vor ihrer neuen Platte sorgen. Als ich ihm sagte, BAP hätte damit argumentiert, daß sich Udo L. vor einen Karren hat spannen lassen, war er darüber sehr ärgerlich. Er wäre für Färness, so wie es am 25. gewesen sei, so wird es auch künftig sein. Alles, was stattfindet, wird vorher besprochen, darauf können wir uns 100 %ig verlassen.
[geschwärzt] kam auch auf den 25. und auf den Liedersommer zurück und meinte, nur so soll man zusammenarbeiten. Er habe jetzt eine 45-minütige Fernsehsendung produziert und aus seiner politischen Meinung keinen Hehl gemacht. Die Sendung soll am 10. Februar ausgestrahlt werden.
Gegen 19.00 Uhr begann man, sich zu verabschieden. Man habe noch eine Verabredung mit einer türkischen Gruppe in Westberlin. Es sei nett gewesen, sich kennengelernt zu haben usw. Verabredungen o.ä. wurden nicht getroffen.
Das Treffen fand ausschließlich im Proberaum statt (ein Laubenhäuschen). Anwesend waren die 4 Musikerinnen von Mona Lise, ein [geschwärzt] von [geschwärzt], Udo L., [geschwärzt], [geschwärzt] sowie [geschwärzt], der das Auto fuhr. ([geschwärzt] ist mir flüchtig vom 25.10. bekannt.)
Es gab keine Absichten, irgendwie bei "Rock für den Frieden" vorbeizuschauen. Ich begleitete das Auto (auch um mich zu vergewissern) bis zum Grenzübergang.
Anschließend fuhr ich direkt zum Palast der Republik.
Organisationsstruktur in der MfS-Zentrale, die durch den Minister oder einen seiner Stellvertreter direkt angeleitet wurde. Die zuletzt 13 Hauptabteilungen wurden durch Einzelleiter geführt. Die weiter untergliederten und nach dem Linienprinzip tätigen HA waren für komplexe, abgegrenzte Bereiche operativ zuständig und federführend verantwortlich. Der Zuschnitt der Zuständigkeitsbereiche war an Ressorts oder geheimdienstlichen Praktiken (z. B. Verkehrswesen, Beobachtung, Funkspionage) orientiert.
Die ZMA dienten der Schriftgutverwaltung operativer Diensteinheiten. Sie wurden überwiegend personenbezogen geführt und entstanden im Kontext der Erfassung auf Kerblochkarten (KK) bzw. Sichtlochkarten (SLK) sowie vor allem in Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskarteien (VSH).
In ZMA wurden Vermerke und zusammengetragene Unterlagen (sog. sogenannte "Originalinformationen") verwahrt. Der Zugang fand über die o. g. Karteien (KK, SLK, VSH) statt. ZMA waren zu meist als Hängeregistraturen mit numerischer Ablage organisiert. ZMA über Personen, die nicht zu einem registrierten Vorgang (Registrierung) geführt hatten, für die operative Arbeit nicht mehr benötigt, aber als bedeutsam betrachtet wurden (z. B. Ergebnisse aus Sicherheitsüberprüfungen), kamen in der Abteilung XII als "Archiviertes Material über Personen" (Personenablage, Allgemeine/AP) zur Ablage.
Signatur: BArch, MfS, HA XX, ZMA, Nr. 20037, Bl. 105-106
1984 besuchte Udo Lindenberg unangemeldet Ost-Berlin. Ein dazu gebetener FDJ-Funktionär erstattete darüber genau Bericht.
Am 15. Januar 1984 besuchte Udo Lindenberg die DDR-Band Mona Lise in Ost-Berlin. Er bat einen FDJ-Funktionär hinzu, den er während seines Auftritts im Oktober des Vorjahres im Palast der Republik kennengelernt hatte. Offiziell angemeldet wurde der Besuch jedoch nicht. Auch der Funktionär informierte zunächst niemanden über die Visite des westdeutschen Musikers.
Der vorliegende Bericht des FDJ-Funktionärs entstand erst nach dem Besuch. Mittlerweile hatte sich der Autor stark kritisieren lassen müssen, weil er nicht sofort Meldung erstattet hatte. Lindenbergs Tournee war unter anderem wegen dieses Besuchs abgesagt worden. Zudem war der Funktionär in den Verdacht geraten, Udo Lindenberg bei einer von der Stasi vermuteten politischen Kampagne gegen die DDR unterstützt zu haben. Der vorliegende Bericht ist daher nicht nur eine Schilderung des Besuchs, sondern auch eine Rechtfertigung des Funktionärs. Ungeachtet dessen verlor er alle seine Ämter.
Im Palast der Republik wurde mir klar, daß ich meinen Leiter hätte informieren sollen. Nach dem Anruf am 14. war die Sache aber für mich erledigt. Ich nahm an, der Besuch würde nicht stattfinden. Da mein Chef ohnehin sehr gestreßt wirkte, wollte ich ihn nicht zusätzlich belasten. Nach dem Anruf am 15. wollte ich so schnell wie möglich zu dem Treffen, um zur Sicherheit dabeizusein. Meiner Frau trug ich auf, darüber keine Auskunft zu geben. Aber, wie gesagt, das war wohl ein schwerer Fehler.
gez. [geschwärzt]
Organisationsstruktur in der MfS-Zentrale, die durch den Minister oder einen seiner Stellvertreter direkt angeleitet wurde. Die zuletzt 13 Hauptabteilungen wurden durch Einzelleiter geführt. Die weiter untergliederten und nach dem Linienprinzip tätigen HA waren für komplexe, abgegrenzte Bereiche operativ zuständig und federführend verantwortlich. Der Zuschnitt der Zuständigkeitsbereiche war an Ressorts oder geheimdienstlichen Praktiken (z. B. Verkehrswesen, Beobachtung, Funkspionage) orientiert.
Die ZMA dienten der Schriftgutverwaltung operativer Diensteinheiten. Sie wurden überwiegend personenbezogen geführt und entstanden im Kontext der Erfassung auf Kerblochkarten (KK) bzw. Sichtlochkarten (SLK) sowie vor allem in Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskarteien (VSH).
In ZMA wurden Vermerke und zusammengetragene Unterlagen (sog. sogenannte "Originalinformationen") verwahrt. Der Zugang fand über die o. g. Karteien (KK, SLK, VSH) statt. ZMA waren zu meist als Hängeregistraturen mit numerischer Ablage organisiert. ZMA über Personen, die nicht zu einem registrierten Vorgang (Registrierung) geführt hatten, für die operative Arbeit nicht mehr benötigt, aber als bedeutsam betrachtet wurden (z. B. Ergebnisse aus Sicherheitsüberprüfungen), kamen in der Abteilung XII als "Archiviertes Material über Personen" (Personenablage, Allgemeine/AP) zur Ablage.
Signatur: BArch, MfS, HA XX, ZMA, Nr. 20037, Bl. 124
Während seiner Auftritte übte Udo Lindenberg immer wieder Kritik an der DDR. Die Stasi registrierte die Äußerungen des Künstlers genau.
1984 sagte die SED-Führung eine geplante Tour von Udo Lindenberg durch die DDR kurzfristig ab. Aus den Stasi-Unterlagen geht hervor, dass MfS und SED-Führung befürchteten, der westdeutsche Musiker könnte politischen Einfluss auf seine Anhänger in der DDR ausüben wollen. Lindenberg, für den die Tour vor seinen ostdeutschen Fans ein wichtiges Anliegen gewesen war, machte seiner Frustration über die Absage während seiner Konzerte Luft.
Weil Übertragungen dieser Konzerte im Westrundfunk auch in der DDR zu empfangen waren, hielt die Stasi die Äußerungen Lindenbergs penibel fest. Das vorliegende Dokument ist die Zusammenfassung einer Konzertübertragung des SFB II vom 13. Mai 1984. Während des Konzerts und in einem Interview in der Pause richtete sich Lindenberg mehrfach direkt an seine "Freunde in der DDR". Er wollte klarstellen, dass es sich bei den offiziell in der DDR genannten Gründen für die Absage der Tour aus seiner Sicht um Ausflüchte handelte.
Hauptabteilung XX / OPD
Berlin, den 13.05.84
Information über eine Sendung des SFB II am 13.05.84 von 20.05 Uhr bis 22.30 Uhr mit Udo Lindenberg
Nach Begrüßung der Gäste und Hörer wurde durch einen Moderator mitgeteilt, daß die Übertragung des Konzertes mit Udo Lindenberg "Götterhämmerung" aus der westberliner Deutschlandhalle kurzfristig aufgrund der Absage eines Konzertes des Lindenberg in der DDR, für die Fans in der DDR in das Programm des SFB II aufgenommen wurde.
Nach den ersten Titeln begrüßte Lindenberg "Honny", den Staatsratsvorsitzenden der DDR, Egon Krenz und die DDR-Politprominenz vorallem die mit den Lederjacken, die jetzt vor der "Glotze" sitzen.
Im ersten Teil der Sendung, bis ca. 21.10 Uhr brachte Lindenberg Titel, wie
Nach seinem Lied "Sonderzug nach Pankow" bemerkte Lindenberg, daß am Sonderzug ein Rad ab ist, es ihm leid tut, daß sie nicht für die Leute drüben spielen können. Er brachte zum Ausdruck, daß er nicht für die Funktionäre und die Regierung spielen wollte, sondern im Gegenteil, sie hatten Bedingungen gestellt, wonach die Konzerte für jedermann zugänglich sein sollte, die Karten frei verkäuflich wären und es keine Zensur gäbe. Die Gründe für die Absage seiner Tournee sind seiner Meinung nach lächerlich und widersprüchlich. Die wirklichen Gründe sind im politischen und kulturpolitischen Bereichen zu suchen. Lindenberg äußerte weiterhin sinngemäß, daß die DDR-Oberindianer noch nicht soweit wären, daß Anliegen seiner Konzerte zu begreifen.
In der Pause führte der Moderator mit dem Lindenberg ein kurzes Interwiew, in dem es im wesentlichen um die Ablehnung bzw. Absage der DDR-Tournee ging. Lindenberg brachte zum Ausdruck,d aß es über die Gründe der Absage viel spekulatives gibt. Die meisten Freunde in der DDR wissen, daß die Begründung für die Absage eines Konzertes u.a. mit der Bemerkung"die FDJ hätte mit der Durchführung von großen Freiluftkonzerten keine Erfahrung" nicht stimmt. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Organisierung und Durchführung von Jugendtreffen und Festivals.
Auf Bemerkungen des Moderators, wonach eventuell Lieder wie "Sonderzug nach Pankow" oder "In 15 Minuten sind die Russen auf dem Kurfürstendamm" bei den Funktionären der DDR nicht den "richtigen Anklang" finden ,äußerte Lindenberg, daß diese Songs von den Funktionären nicht richtig verständen werden. Er wolle damit nichts negatives ausdrücken. Auf die Frage nach der Meinung des Lindenberg zur Ablehnung der Tournee der Gruppe "PAP" äußerte dieser, daß die Gruppe "PAP" unklug gehandelt habe, als sie 3 Wochen vor Beginn der Tournee die DDR-Funktionäre mit einen neuen Lied "verärgert" haben. Um seinen Auftritt in der DDR zu "sichern" sollte er sich im Aufträge der FDJ von der Gruppe "PAP" distanzieren.
Im Zusammenhang mit den gegenwärtig aufgetretenen "Irrtürmern" bezogen auf die Lieder des Lindenberg, insbesondere dem Lied "Sonderzug nach Pankow" vertrat Lindenberg die Auffassung, da er in Westberlin wohnt, genüge ein Anruf, um diese "Irrtümer" aus der Welt zu schaffen.
Hauptabteilung XX (Staatsapparat, Kultur, Kirchen, Untergrund)
Die Hauptabteilung XX bildete den Kernbereich der politischen Repression und Überwachung der Staatssicherheit. In Struktur und Tätigkeit passte sie sich mehrfach an die sich wandelnden Bedingungen der Herrschaftssicherung an. Die Diensteinheit ging 1964 durch Umbenennung aus der Hauptatbeilung V hervor, die ihrerseits in den Abteilungen V und VI (1950–1953) ihre Vorläufer hatte.
Die Hauptabteilung XX und die ihr nachgeordneten Abteilungen XX in den Bezirksverwaltungen (Linie XX) sowie entsprechende Arbeitsbereiche in den KD überwachten wichtige Teile des Staatsapparates (u. a. Justiz, Gesundheitswesen und bis 1986 das Post- und Fernmeldewesen), die Blockparteien und Massenorganisationen, den Kultur- und Sportbereich, die Medien und die Kirchen sowie SED-Sonderobjekte und Parteibetriebe. Federführend war die Hauptabteilung XX auch bei der Bekämpfung der "politischen Untergrundtätigkeit" (PUT), also der Opposition.
Ab der zweiten Hälfte der 50er Jahre und verstärkt seit dem Beginn der Entspannungspolitik fühlte sich das SED-Regime zunehmend durch die "politisch-ideologische Diversion" (PiD) bedroht. Die Schwächung der "Arbeiter-und-Bauern-Macht" durch "ideologische Aufweichung und Zersetzung" galt als Hauptinstrument des Westens bei der Unterminierung der DDR. Auch bei der Bekämpfung der PiD hatte die Hauptabteilung XX innerhalb des MfS die Federführung.
Das Erstarken der Bürgerrechtsbewegung (Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen) in der DDR führte in den 80er Jahren zu einem weiteren Bedeutungszuwachs der Linie XX. In der DA 2/85 bestätigte Minister Mielke dementsprechend die Federführung der Hauptabteilung XX bei der Bekämpfung der PUT.
Im Verlauf der fast 40-jährigen Entwicklung der Hauptabteilung XX veränderte sich ihre Struktur mehrfach. In der Endphase verfügte sie über neun operative Abteilungen und vier Funktionalorgane der Leitung (Sekretariat, Arbeitsgruppe der Leitung, Koordinierungsgruppe des Leiters, Auswertungs- und Kontrollgruppe).
Die Hauptabteilung V lag ab 1953 zunächst im unmittelbaren Anleitungsbereich von Mielke in seiner Eigenschaft als 1. Stellvertreter des Staatssicherheitschefs. Ab 1955 war der stellvertretende Minister Bruno Beater und 1964–1974 der stellv. Minister Fritz Schröder auf der Ebene der MfS-Leitung für die Hauptabteilung XX zuständig. Beide waren zuvor selbst (Beater 1953–1955, Schröder 1955–1963) Leiter der Hauptabteilung V. Seit 1975 gehörte die Hauptabteilung XX zum Verantwortungsbereich von Mielkes Stellvertreter Rudi Mittig. Von 1964 bis zur Auflösung des MfS leitete Kienberg die Hauptabteilung XX. Ihm standen seit 1965 zwei Stellvertreter zur Seite.
1954 waren in der Hauptabteilung V insgesamt 139 Mitarbeiter beschäftigt. Im Herbst 1989 verfügte die Hauptabteilung XX über 461 Mitarbeiter, von denen mehr als 200 als IM-führende Mitarbeiter eingesetzt waren.
In den 15 Bezirksverwaltungen waren auf der Linie XX im Oktober 1989 insgesamt knapp 1.000 Kader und damit auf der gesamten Linie XX fast 1.500 hauptamtliche Mitarbeiter im Einsatz. Gleichzeitig konnte allein die Hauptabteilung XX mit etwas mehr als 1.500 IM auf einen überdurchschnittlich hohen Bestand an inoffiziellen Kräften zurückgreifen. Ihrem Aufgabenprofil entsprechend spiegelt sich nicht zuletzt in der Entwicklung der Hauptabteilung XX auch die Geschichte von Opposition, Widerstand und politischer Dissidenz in der DDR. Im Herbst 1989 wurden von der Diensteinheit 31 Operative Vorgänge (10 Prozent aller Operativen Vorgänge im Berliner Ministeriumsbereich) und 59 Operative Personenkontrollen (8,7 Prozent) bearbeitet.
Organisationsstruktur in der MfS-Zentrale, die durch den Minister oder einen seiner Stellvertreter direkt angeleitet wurde. Die zuletzt 13 Hauptabteilungen wurden durch Einzelleiter geführt. Die weiter untergliederten und nach dem Linienprinzip tätigen HA waren für komplexe, abgegrenzte Bereiche operativ zuständig und federführend verantwortlich. Der Zuschnitt der Zuständigkeitsbereiche war an Ressorts oder geheimdienstlichen Praktiken (z. B. Verkehrswesen, Beobachtung, Funkspionage) orientiert.
Die ZMA dienten der Schriftgutverwaltung operativer Diensteinheiten. Sie wurden überwiegend personenbezogen geführt und entstanden im Kontext der Erfassung auf Kerblochkarten (KK) bzw. Sichtlochkarten (SLK) sowie vor allem in Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskarteien (VSH).
In ZMA wurden Vermerke und zusammengetragene Unterlagen (sog. sogenannte "Originalinformationen") verwahrt. Der Zugang fand über die o. g. Karteien (KK, SLK, VSH) statt. ZMA waren zu meist als Hängeregistraturen mit numerischer Ablage organisiert. ZMA über Personen, die nicht zu einem registrierten Vorgang (Registrierung) geführt hatten, für die operative Arbeit nicht mehr benötigt, aber als bedeutsam betrachtet wurden (z. B. Ergebnisse aus Sicherheitsüberprüfungen), kamen in der Abteilung XII als "Archiviertes Material über Personen" (Personenablage, Allgemeine/AP) zur Ablage.
Udo rockt für den Weltfrieden
Wie können ein Musiker und sein Lied über einen Sonderzug einen Staat und seine Geheimpolizei über Wochen und Monate hinweg beschäftigen? Die Geschichte vom Auftritt Udo Lindenbergs im Ost-Berliner Palast der Republik gibt Antworten und zeigt dabei die vielfältigen Verflechtungen zwischen dem Parteiapparat der SED und seiner Geheimpolizei Stasi beim Streben nach allumfassender Kontrolle – selbst, wenn es nur um Musik ging.
Die aufgeführten Dokumente zeigen beispielhaft, wie umfassend die Stasi im Auftrag der SED agierte und wie eng andere staatliche Institutionen mit ihr kooperierten – alles zur Kontrolle von Menschen, die Lust auf andere Musik hatten.
Einleitung
Der Sonderzug nach Pankow
Vermerk über das Auftreten Udo Lindenbergs
Information über das Abspielen eines Liedes mit die DDR diskriminierendem Inhalt
Auskunft zum BRD-Rockmusiker Udo Lindenberg
Rechtliche Einschätzung zum Liedtext "Sonderzug nach Pankow" von Udo Lindenberg
Operative Information Nr. 30/83 über Udo Lindenberg hörende Studenten
Vorschläge zur Bestrafung von Personen, die Udo Lindenbergs Lied "Sonderzug nach Pankow" in der Öffentlichkeit wiedergeben
Mitschrift der Stasi von einer RIAS-Sendung zu Udo Lindenberg
Brief von Udo Lindenberg an Erich Honecker
Information des IME "Robert" zu einem geplanten Konzert von Udo Lindenberg
Informationen zum Auftritt des Sängers Udo Lindenberg im Palast der Republik
Hinweise zum geplanten Auftritt Udo Lindenbergs im Palast der Republik
Information über die Reaktionen der Bevölkerung zum Auftritt Udo Lindenbergs in der DDR
Konzeption für Auswahl und Vorbereitung der Teilnehmer am Udo-Lindenberg-Konzert
Teilnehmerschlüssel für das Udo-Lindenberg-Konzert am 25.10.1983
Kräfteeinsatzplan zur Sicherung des Udo-Lindenberg-Konzertes am 25.10.1983
IM-Bericht über den Kartenverkauf für das Lindenberg-Konzert in Ost-Berlin
IM-Bericht über Meinungen zum Lindenberg-Konzert in Ost-Berlin
Brief des Generaldirektors der Künstler-Agentur an den Minister für Kultur
Information über Diskussionen unter FDJ-Mitgliedern
Einsatzplan zur Sicherung des Konzertes von Udo Lindenberg und Harry Belafonte
Karte des Marx-Engels-Platzes mit dem Palast der Republik
Hinweis über Reaktionen der Bevölkerung zum bevorstehenden Auftritt von Udo Lindenberg
Zutrittskarte für das Udo-Lindenberg-Konzert am 25.10.1983
Zutrittskarte für das Udo-Lindenberg-Konzert am 25.10.1983
Udo rockt in Ostberlin
Informationen zu Aufenthalten Udo Lindenbergs in Ost-Berlin
Bericht zu Film- und Fotoaufnahmen im Zusammenhang mit der Einreise Udo Lindenbergs
Ankunft Udo Lindenbergs am Grenzübergang Invalidenstraße am 25.10.1983
Verteiler für die Bilddokumentation des Grenzübertritts von Udo Lindenberg am 25.10.1983
Aktivitätenplan am Tag des Udo-Lindenberg-Konzertes im Palast der Republik
Information zur Abfahrt Udo Lindenbergs vom Palast der Republik zum IPZ
Menschenmenge in Berlin anlässlich eines Konzerts von Udo Lindenberg
Bericht über die Pressekonferenz mit Harry Belafonte und Udo Lindenberg in Ost-Berlin
Udo Lindenberg bei der Pressekonferenz am 25.10.1983
Bericht des IMB "Ernst" über ein Treffen mit Udo Lindenberg
Augenzeugenbericht zu den Verhaftungen während des Lindenberg-Konzerts in Ost-Berlin
Lagefilm der Stasi zum Konzert mit Udo Lindenberg im Palast der Republik
Risiko Lindenberg nicht kalkulierbar
Reaktionen der DDR-Bevölkerung zum Auftritt von Udo Lindenberg in Ost-Berlin
Information zur Teilnahme des Udo Lindenberg am Friedenskonzert
Information zur Reaktion des Publikums während des Konzerts von Udo Lindenberg
Erfahrungsprotokoll zum Einsatz der Stasi beim Lindenberg-Konzert
Information zum öffentlichen Auftreten Udo Lindenbergs während seines Konzertes in Ost-Berlin
Abschlussbericht zum Sicherungseinsatz beim Friedensfestival der FDJ im Palast der Republik
Information über die beim Lindenberg-Konzert in Ost-Berlin anwesenden Pressevertreter
Information über Unmutsäußerung des Generaldirektors der Künstleragentur Hermann Falk
Erkenntnisse aus dem Sicherungseinsatz beim Friedenskonzert mit Udo Lindenberg
Information über Tourneen von BAP und Udo Lindenberg in der DDR
Einreiseverbot für Udo Lindenberg in die DDR
Information über einen unangemeldeten Besuch Udo Lindenbergs in Ost-Berlin
Zusammenfassung der Übertragung eines Konzerts von Udo Lindenberg im SFB
Information zu einem Aufenthalt Udo Lindenbergs in Ost-Berlin
Weiterführende Literatur