Signatur: BArch, MfS, HA XX, ZMA, Nr. 20037, Bl. 134
1985 verhängte die DDR ein zeitweises Einreiseverbot gegen den westdeutschen Musiker Udo Lindenberg. Die genauen Gründe dafür lassen sich nicht mehr rekonstruieren.
Der westdeutsche Musiker Udo Lindenberg wurde Anfang der 1980er Jahre zunehmend zu einem Ärgernis für die SED-Führung in der DDR. Lindenberg hatte viele Fans in Ostdeutschland, und man betrachtete den sich daraus ergebenden Einfluss argwöhnisch. In seinen Liedern kritisierte er das System der DDR. Als ihm zunächst Konzerte in der DDR verweigert wurden, schrieb er das Lied "Sonderzug nach Pankow". Darin bezeichnete er SED-Generalsekretär Erich Honecker als "Oberindianer" und "sturen Schrat". Endgültig wurde Lindenberg zur unerwünschten Person, als die SED-Führung ihn verdächtigte, eine schließlich doch genehmigte DDR-Tournee für unerwünschte politische Äußerungen nutzen zu wollen.
Das vorliegende Dokument ist ein zeitweiliges Einreiseverbot in die DDR gegen Udo Lindenberg. Hätte der Künstler zwischen dem 4. und 10. Mai 1985 die Grenze passieren wollen, wäre er abgewiesen worden. Die Kopie des Verbots stammt aus einer Materialsammlung des MfS zu Lindenberg. Die Gründe für dieses konkrete Einreiseverbot lassen sich nicht mehr rekonstruieren. Möglicherweise wollte man Lindenberg vom Besuch einer bestimmten Veranstaltung in der DDR abhalten.
Leiter
Hauptabteilung VI
Leiter
Berlin, 29.4.1985
kie-li
Auf Grund zentraler Entscheidung wurde festgelegt, daß dem freischaffenden Rocksänger
Udo Lindenberg (28)
wh.: Westberlin und Hamburg
im Zeitraum vom 04. Mai 1985 bis einschließlich 10. Mai 1985 die Einreise in die DDR nicht gestattet wird.
Bei der versuchten Einreise des Fahndungsobjektes ist dem Lindenberg mitzuteilen, daß seine Einreise in die DDR zur Zeit nicht möglich ist.
Generalmajor
Hauptabteilung VI (Passkontrolle, Tourismus, Interhotel)
Die Hauptabteilung VI befasste sich mit dem grenzüberschreitenden Reiseverkehr. Sie wurde 1970 durch Fusion der Arbeitsgruppen "Passkontrolle und Fahndung" und "Sicherung des Reiseverkehrs" sowie der Zoll-Abwehr (Überwachung der Zoll-Mitarbeiter) gebildet. Die Hauptabteilung VI hatte an den Grenzübergängen der DDR die Reisenden zu kontrollieren und abzufertigen. Deshalb waren die DDR-Passkontrolleure hauptamtliche Mitarbeiter der Hauptabteilung VI. Zur Tarnung trugen sie Uniformen der Grenztruppen. Zunächst war 1950 die Grenzpolizei mit der Grenzabfertigung beauftragt worden.
Bei der Hauptabteilung VI wurden die Daten der Einreisenden einer ersten Analyse unterzogen, um politisch-operativ interessante Personen herauszufiltern. Die Grenzkontrolle umfasste für die Hauptabteilung VI auch die Überwachung der westlichen Grenzkontrollstellen, in Westberlin auch die der Flughäfen Tegel und Tempelhof sowie der Polizei und des Grenzzolldienstes. Zum Verantwortungsbereich der Hauptabteilung VI gehörte die lückenlose Überwachung der Transitstrecken von und nach Westberlin. Bei ihr liefen Avisierungen für bevorzugte Grenzabfertigungen zusammen.
1970 übernahm sie von der Hauptabteilung XX/5 die Aufgabe, Fluchtversuche zu unterbinden und Fluchthelfer im Westen zu verfolgen, was 1975/76 zu Teilen an die Zentrale Koordinierungsgruppe überging (Republikflucht). Die Hauptabteilung VI überwachte touristische Einrichtungen in der DDR, darunter die Reisebüros und die Interhotels. Ebenso kontrollierte sie DDR-Bürger bei ihren Reisen ins sozialistische Ausland, um Kontakte zu westlichen Staatsbürgern und Fluchtversuche ggf. zu unterbinden.
Die Operativgruppen des MfS in der ČSSR, Ungarn und Bulgarien waren ihr von 1970 bis 1989 unterstellt. 1989 gab sie deren Leitung an die Hauptabteilung II (HA II) ab. Im Verantwortungsbereich der Hauptabteilung VI wurden 1979–1981 drei Mordanschläge auf den Fluchthelfer Wolfgang Welsch durchgeführt, die dieser nur knapp überlebte.
Charakteristisch für die Hauptabteilung VI war die enge Kooperation mit vielen MfS-Diensteinheiten und anderen Institutionen wie Grenztruppen und Zoll, da im Bereich der Hauptabteilung VI eine Vielzahl von relevanten Erstinformationen und Daten zusammenkam. 1985 führte die Hauptabteilung VI 1.064 IM, darunter 67 West-IM, von denen 62 in Westberlin lebten.
Hauptabteilung XX (Staatsapparat, Kultur, Kirchen, Untergrund)
Die Hauptabteilung XX bildete den Kernbereich der politischen Repression und Überwachung der Staatssicherheit. In Struktur und Tätigkeit passte sie sich mehrfach an die sich wandelnden Bedingungen der Herrschaftssicherung an. Die Diensteinheit ging 1964 durch Umbenennung aus der Hauptatbeilung V hervor, die ihrerseits in den Abteilungen V und VI (1950–1953) ihre Vorläufer hatte.
Die Hauptabteilung XX und die ihr nachgeordneten Abteilungen XX in den Bezirksverwaltungen (Linie XX) sowie entsprechende Arbeitsbereiche in den KD überwachten wichtige Teile des Staatsapparates (u. a. Justiz, Gesundheitswesen und bis 1986 das Post- und Fernmeldewesen), die Blockparteien und Massenorganisationen, den Kultur- und Sportbereich, die Medien und die Kirchen sowie SED-Sonderobjekte und Parteibetriebe. Federführend war die Hauptabteilung XX auch bei der Bekämpfung der "politischen Untergrundtätigkeit" (PUT), also der Opposition.
Ab der zweiten Hälfte der 50er Jahre und verstärkt seit dem Beginn der Entspannungspolitik fühlte sich das SED-Regime zunehmend durch die "politisch-ideologische Diversion" (PiD) bedroht. Die Schwächung der "Arbeiter-und-Bauern-Macht" durch "ideologische Aufweichung und Zersetzung" galt als Hauptinstrument des Westens bei der Unterminierung der DDR. Auch bei der Bekämpfung der PiD hatte die Hauptabteilung XX innerhalb des MfS die Federführung.
Das Erstarken der Bürgerrechtsbewegung (Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen) in der DDR führte in den 80er Jahren zu einem weiteren Bedeutungszuwachs der Linie XX. In der DA 2/85 bestätigte Minister Mielke dementsprechend die Federführung der Hauptabteilung XX bei der Bekämpfung der PUT.
Im Verlauf der fast 40-jährigen Entwicklung der Hauptabteilung XX veränderte sich ihre Struktur mehrfach. In der Endphase verfügte sie über neun operative Abteilungen und vier Funktionalorgane der Leitung (Sekretariat, Arbeitsgruppe der Leitung, Koordinierungsgruppe des Leiters, Auswertungs- und Kontrollgruppe).
Die Hauptabteilung V lag ab 1953 zunächst im unmittelbaren Anleitungsbereich von Mielke in seiner Eigenschaft als 1. Stellvertreter des Staatssicherheitschefs. Ab 1955 war der stellvertretende Minister Bruno Beater und 1964–1974 der stellv. Minister Fritz Schröder auf der Ebene der MfS-Leitung für die Hauptabteilung XX zuständig. Beide waren zuvor selbst (Beater 1953–1955, Schröder 1955–1963) Leiter der Hauptabteilung V. Seit 1975 gehörte die Hauptabteilung XX zum Verantwortungsbereich von Mielkes Stellvertreter Rudi Mittig. Von 1964 bis zur Auflösung des MfS leitete Kienberg die Hauptabteilung XX. Ihm standen seit 1965 zwei Stellvertreter zur Seite.
1954 waren in der Hauptabteilung V insgesamt 139 Mitarbeiter beschäftigt. Im Herbst 1989 verfügte die Hauptabteilung XX über 461 Mitarbeiter, von denen mehr als 200 als IM-führende Mitarbeiter eingesetzt waren.
In den 15 Bezirksverwaltungen waren auf der Linie XX im Oktober 1989 insgesamt knapp 1.000 Kader und damit auf der gesamten Linie XX fast 1.500 hauptamtliche Mitarbeiter im Einsatz. Gleichzeitig konnte allein die Hauptabteilung XX mit etwas mehr als 1.500 IM auf einen überdurchschnittlich hohen Bestand an inoffiziellen Kräften zurückgreifen. Ihrem Aufgabenprofil entsprechend spiegelt sich nicht zuletzt in der Entwicklung der Hauptabteilung XX auch die Geschichte von Opposition, Widerstand und politischer Dissidenz in der DDR. Im Herbst 1989 wurden von der Diensteinheit 31 Operative Vorgänge (10 Prozent aller Operativen Vorgänge im Berliner Ministeriumsbereich) und 59 Operative Personenkontrollen (8,7 Prozent) bearbeitet.
Organisationsstruktur in der MfS-Zentrale, die durch den Minister oder einen seiner Stellvertreter direkt angeleitet wurde. Die zuletzt 13 Hauptabteilungen wurden durch Einzelleiter geführt. Die weiter untergliederten und nach dem Linienprinzip tätigen HA waren für komplexe, abgegrenzte Bereiche operativ zuständig und federführend verantwortlich. Der Zuschnitt der Zuständigkeitsbereiche war an Ressorts oder geheimdienstlichen Praktiken (z. B. Verkehrswesen, Beobachtung, Funkspionage) orientiert.
Die ZMA dienten der Schriftgutverwaltung operativer Diensteinheiten. Sie wurden überwiegend personenbezogen geführt und entstanden im Kontext der Erfassung auf Kerblochkarten (KK) bzw. Sichtlochkarten (SLK) sowie vor allem in Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskarteien (VSH).
In ZMA wurden Vermerke und zusammengetragene Unterlagen (sog. sogenannte "Originalinformationen") verwahrt. Der Zugang fand über die o. g. Karteien (KK, SLK, VSH) statt. ZMA waren zu meist als Hängeregistraturen mit numerischer Ablage organisiert. ZMA über Personen, die nicht zu einem registrierten Vorgang (Registrierung) geführt hatten, für die operative Arbeit nicht mehr benötigt, aber als bedeutsam betrachtet wurden (z. B. Ergebnisse aus Sicherheitsüberprüfungen), kamen in der Abteilung XII als "Archiviertes Material über Personen" (Personenablage, Allgemeine/AP) zur Ablage.
Signatur: BArch, MfS, HA XX, ZMA, Nr. 20037, Bl. 105-106
1984 besuchte Udo Lindenberg unangemeldet Ost-Berlin. Ein dazu gebetener FDJ-Funktionär erstattete darüber genau Bericht.
Am 15. Januar 1984 besuchte Udo Lindenberg die DDR-Band Mona Lise in Ost-Berlin. Er bat einen FDJ-Funktionär hinzu, den er während seines Auftritts im Oktober des Vorjahres im Palast der Republik kennengelernt hatte. Offiziell angemeldet wurde der Besuch jedoch nicht. Auch der Funktionär informierte zunächst niemanden über die Visite des westdeutschen Musikers.
Der vorliegende Bericht des FDJ-Funktionärs entstand erst nach dem Besuch. Mittlerweile hatte sich der Autor stark kritisieren lassen müssen, weil er nicht sofort Meldung erstattet hatte. Lindenbergs Tournee war unter anderem wegen dieses Besuchs abgesagt worden. Zudem war der Funktionär in den Verdacht geraten, Udo Lindenberg bei einer von der Stasi vermuteten politischen Kampagne gegen die DDR unterstützt zu haben. Der vorliegende Bericht ist daher nicht nur eine Schilderung des Besuchs, sondern auch eine Rechtfertigung des Funktionärs. Ungeachtet dessen verlor er alle seine Ämter.
Information
Am 14.1. rief mich gegen Mittag [geschwärzt] an. Er teilte mir mit, daß morgen Udo und [geschwärzt] nach Berlin / DDR kommen wollten, um sich mit Mona Lise zu treffen. Sie würden sich für diese Frauenband interessieren. Ich riet von diesem Besuch ab. Man könnte vermuten, daß es einen Zusammenhang zu "Rock für den Frieden" gäbe. [geschwärzt] stimmte meinen Gedanken zu und versprach, auf eine Terminänderung hinzuwirken. Ich bat ihn, mich auf dem laufenden zu halten, falls der Besuch doch stattfinden sollte.
Am 15.1. gegen 16.30 Uhr erhielt ich wieder einen Anruf, daß man doch gefahren sei, und daß der Grenzübergang reibungslos verlaufen sei. Es wäre schön, sich mit mir in der Manetstr. 20 zu treffen. Daraufhin fuhr ich unverzüglich in die Manetstraße. In einem kleinen Probenraum stellten die 4 Musikerinnen von Mona Lise ihre Musik vor. Man unterhielt sich ausschließlich über künstlerische Dinge, Arrangements usw.
Am Rande unterhielt ich mich mit [geschwärzt]
Er teilte unseren Ärger über BAP und meinte, solches Verhalten wäre verantwortungslos. Er selbst habe mit BAP auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Die Gruppe wolle Schlagzeilen um jeden Preis machen.
Udo L. teilte die Verurteilung von BAP.
Er meinte, die Gruppe wollte für Aufsehen vor ihrer neuen Platte sorgen. Als ich ihm sagte, BAP hätte damit argumentiert, daß sich Udo L. vor einen Karren hat spannen lassen, war er darüber sehr ärgerlich. Er wäre für Färness, so wie es am 25. gewesen sei, so wird es auch künftig sein. Alles, was stattfindet, wird vorher besprochen, darauf können wir uns 100 %ig verlassen.
[geschwärzt] kam auch auf den 25. und auf den Liedersommer zurück und meinte, nur so soll man zusammenarbeiten. Er habe jetzt eine 45-minütige Fernsehsendung produziert und aus seiner politischen Meinung keinen Hehl gemacht. Die Sendung soll am 10. Februar ausgestrahlt werden.
Gegen 19.00 Uhr begann man, sich zu verabschieden. Man habe noch eine Verabredung mit einer türkischen Gruppe in Westberlin. Es sei nett gewesen, sich kennengelernt zu haben usw. Verabredungen o.ä. wurden nicht getroffen.
Das Treffen fand ausschließlich im Proberaum statt (ein Laubenhäuschen). Anwesend waren die 4 Musikerinnen von Mona Lise, ein [geschwärzt] von [geschwärzt], Udo L., [geschwärzt], [geschwärzt] sowie [geschwärzt], der das Auto fuhr. ([geschwärzt] ist mir flüchtig vom 25.10. bekannt.)
Es gab keine Absichten, irgendwie bei "Rock für den Frieden" vorbeizuschauen. Ich begleitete das Auto (auch um mich zu vergewissern) bis zum Grenzübergang.
Anschließend fuhr ich direkt zum Palast der Republik.
Organisationsstruktur in der MfS-Zentrale, die durch den Minister oder einen seiner Stellvertreter direkt angeleitet wurde. Die zuletzt 13 Hauptabteilungen wurden durch Einzelleiter geführt. Die weiter untergliederten und nach dem Linienprinzip tätigen HA waren für komplexe, abgegrenzte Bereiche operativ zuständig und federführend verantwortlich. Der Zuschnitt der Zuständigkeitsbereiche war an Ressorts oder geheimdienstlichen Praktiken (z. B. Verkehrswesen, Beobachtung, Funkspionage) orientiert.
Die ZMA dienten der Schriftgutverwaltung operativer Diensteinheiten. Sie wurden überwiegend personenbezogen geführt und entstanden im Kontext der Erfassung auf Kerblochkarten (KK) bzw. Sichtlochkarten (SLK) sowie vor allem in Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskarteien (VSH).
In ZMA wurden Vermerke und zusammengetragene Unterlagen (sog. sogenannte "Originalinformationen") verwahrt. Der Zugang fand über die o. g. Karteien (KK, SLK, VSH) statt. ZMA waren zu meist als Hängeregistraturen mit numerischer Ablage organisiert. ZMA über Personen, die nicht zu einem registrierten Vorgang (Registrierung) geführt hatten, für die operative Arbeit nicht mehr benötigt, aber als bedeutsam betrachtet wurden (z. B. Ergebnisse aus Sicherheitsüberprüfungen), kamen in der Abteilung XII als "Archiviertes Material über Personen" (Personenablage, Allgemeine/AP) zur Ablage.
Signatur: BArch, MfS, HA XX, ZMA, Nr. 20037, Bl. 105-106
1984 besuchte Udo Lindenberg unangemeldet Ost-Berlin. Ein dazu gebetener FDJ-Funktionär erstattete darüber genau Bericht.
Am 15. Januar 1984 besuchte Udo Lindenberg die DDR-Band Mona Lise in Ost-Berlin. Er bat einen FDJ-Funktionär hinzu, den er während seines Auftritts im Oktober des Vorjahres im Palast der Republik kennengelernt hatte. Offiziell angemeldet wurde der Besuch jedoch nicht. Auch der Funktionär informierte zunächst niemanden über die Visite des westdeutschen Musikers.
Der vorliegende Bericht des FDJ-Funktionärs entstand erst nach dem Besuch. Mittlerweile hatte sich der Autor stark kritisieren lassen müssen, weil er nicht sofort Meldung erstattet hatte. Lindenbergs Tournee war unter anderem wegen dieses Besuchs abgesagt worden. Zudem war der Funktionär in den Verdacht geraten, Udo Lindenberg bei einer von der Stasi vermuteten politischen Kampagne gegen die DDR unterstützt zu haben. Der vorliegende Bericht ist daher nicht nur eine Schilderung des Besuchs, sondern auch eine Rechtfertigung des Funktionärs. Ungeachtet dessen verlor er alle seine Ämter.
Im Palast der Republik wurde mir klar, daß ich meinen Leiter hätte informieren sollen. Nach dem Anruf am 14. war die Sache aber für mich erledigt. Ich nahm an, der Besuch würde nicht stattfinden. Da mein Chef ohnehin sehr gestreßt wirkte, wollte ich ihn nicht zusätzlich belasten. Nach dem Anruf am 15. wollte ich so schnell wie möglich zu dem Treffen, um zur Sicherheit dabeizusein. Meiner Frau trug ich auf, darüber keine Auskunft zu geben. Aber, wie gesagt, das war wohl ein schwerer Fehler.
gez. [geschwärzt]
Organisationsstruktur in der MfS-Zentrale, die durch den Minister oder einen seiner Stellvertreter direkt angeleitet wurde. Die zuletzt 13 Hauptabteilungen wurden durch Einzelleiter geführt. Die weiter untergliederten und nach dem Linienprinzip tätigen HA waren für komplexe, abgegrenzte Bereiche operativ zuständig und federführend verantwortlich. Der Zuschnitt der Zuständigkeitsbereiche war an Ressorts oder geheimdienstlichen Praktiken (z. B. Verkehrswesen, Beobachtung, Funkspionage) orientiert.
Die ZMA dienten der Schriftgutverwaltung operativer Diensteinheiten. Sie wurden überwiegend personenbezogen geführt und entstanden im Kontext der Erfassung auf Kerblochkarten (KK) bzw. Sichtlochkarten (SLK) sowie vor allem in Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskarteien (VSH).
In ZMA wurden Vermerke und zusammengetragene Unterlagen (sog. sogenannte "Originalinformationen") verwahrt. Der Zugang fand über die o. g. Karteien (KK, SLK, VSH) statt. ZMA waren zu meist als Hängeregistraturen mit numerischer Ablage organisiert. ZMA über Personen, die nicht zu einem registrierten Vorgang (Registrierung) geführt hatten, für die operative Arbeit nicht mehr benötigt, aber als bedeutsam betrachtet wurden (z. B. Ergebnisse aus Sicherheitsüberprüfungen), kamen in der Abteilung XII als "Archiviertes Material über Personen" (Personenablage, Allgemeine/AP) zur Ablage.
Udo rockt für den Weltfrieden
Wie können ein Musiker und sein Lied über einen Sonderzug einen Staat und seine Geheimpolizei über Wochen und Monate hinweg beschäftigen? Die Geschichte vom Auftritt Udo Lindenbergs im Ost-Berliner Palast der Republik gibt Antworten und zeigt dabei die vielfältigen Verflechtungen zwischen dem Parteiapparat der SED und seiner Geheimpolizei Stasi beim Streben nach allumfassender Kontrolle – selbst, wenn es nur um Musik ging.
Die aufgeführten Dokumente zeigen beispielhaft, wie umfassend die Stasi im Auftrag der SED agierte und wie eng andere staatliche Institutionen mit ihr kooperierten – alles zur Kontrolle von Menschen, die Lust auf andere Musik hatten.
Einleitung
Der Sonderzug nach Pankow
Vermerk über das Auftreten Udo Lindenbergs
Information über das Abspielen eines Liedes mit die DDR diskriminierendem Inhalt
Auskunft zum BRD-Rockmusiker Udo Lindenberg
Rechtliche Einschätzung zum Liedtext "Sonderzug nach Pankow" von Udo Lindenberg
Operative Information Nr. 30/83 über Udo Lindenberg hörende Studenten
Vorschläge zur Bestrafung von Personen, die Udo Lindenbergs Lied "Sonderzug nach Pankow" in der Öffentlichkeit wiedergeben
Mitschrift der Stasi von einer RIAS-Sendung zu Udo Lindenberg
Brief von Udo Lindenberg an Erich Honecker
Information des IME "Robert" zu einem geplanten Konzert von Udo Lindenberg
Informationen zum Auftritt des Sängers Udo Lindenberg im Palast der Republik
Hinweise zum geplanten Auftritt Udo Lindenbergs im Palast der Republik
Information über die Reaktionen der Bevölkerung zum Auftritt Udo Lindenbergs in der DDR
Konzeption für Auswahl und Vorbereitung der Teilnehmer am Udo-Lindenberg-Konzert
Teilnehmerschlüssel für das Udo-Lindenberg-Konzert am 25.10.1983
Kräfteeinsatzplan zur Sicherung des Udo-Lindenberg-Konzertes am 25.10.1983
IM-Bericht über den Kartenverkauf für das Lindenberg-Konzert in Ost-Berlin
IM-Bericht über Meinungen zum Lindenberg-Konzert in Ost-Berlin
Brief des Generaldirektors der Künstler-Agentur an den Minister für Kultur
Information über Diskussionen unter FDJ-Mitgliedern
Einsatzplan zur Sicherung des Konzertes von Udo Lindenberg und Harry Belafonte
Karte des Marx-Engels-Platzes mit dem Palast der Republik
Hinweis über Reaktionen der Bevölkerung zum bevorstehenden Auftritt von Udo Lindenberg
Zutrittskarte für das Udo-Lindenberg-Konzert am 25.10.1983
Zutrittskarte für das Udo-Lindenberg-Konzert am 25.10.1983
Udo rockt in Ostberlin
Informationen zu Aufenthalten Udo Lindenbergs in Ost-Berlin
Bericht zu Film- und Fotoaufnahmen im Zusammenhang mit der Einreise Udo Lindenbergs
Ankunft Udo Lindenbergs am Grenzübergang Invalidenstraße am 25.10.1983
Verteiler für die Bilddokumentation des Grenzübertritts von Udo Lindenberg am 25.10.1983
Aktivitätenplan am Tag des Udo-Lindenberg-Konzertes im Palast der Republik
Information zur Abfahrt Udo Lindenbergs vom Palast der Republik zum IPZ
Menschenmenge in Berlin anlässlich eines Konzerts von Udo Lindenberg
Bericht über die Pressekonferenz mit Harry Belafonte und Udo Lindenberg in Ost-Berlin
Udo Lindenberg bei der Pressekonferenz am 25.10.1983
Bericht des IMB "Ernst" über ein Treffen mit Udo Lindenberg
Augenzeugenbericht zu den Verhaftungen während des Lindenberg-Konzerts in Ost-Berlin
Lagefilm der Stasi zum Konzert mit Udo Lindenberg im Palast der Republik
Risiko Lindenberg nicht kalkulierbar
Reaktionen der DDR-Bevölkerung zum Auftritt von Udo Lindenberg in Ost-Berlin
Information zur Teilnahme des Udo Lindenberg am Friedenskonzert
Information zur Reaktion des Publikums während des Konzerts von Udo Lindenberg
Erfahrungsprotokoll zum Einsatz der Stasi beim Lindenberg-Konzert
Information zum öffentlichen Auftreten Udo Lindenbergs während seines Konzertes in Ost-Berlin
Abschlussbericht zum Sicherungseinsatz beim Friedensfestival der FDJ im Palast der Republik
Information über die beim Lindenberg-Konzert in Ost-Berlin anwesenden Pressevertreter
Information über Unmutsäußerung des Generaldirektors der Künstleragentur Hermann Falk
Erkenntnisse aus dem Sicherungseinsatz beim Friedenskonzert mit Udo Lindenberg
Information über Tourneen von BAP und Udo Lindenberg in der DDR
Einreiseverbot für Udo Lindenberg in die DDR
Information über einen unangemeldeten Besuch Udo Lindenbergs in Ost-Berlin
Zusammenfassung der Übertragung eines Konzerts von Udo Lindenberg im SFB
Information zu einem Aufenthalt Udo Lindenbergs in Ost-Berlin
Weiterführende Literatur