Signatur: BArch, MfS, HA XX, ZMA, Nr. 20037, Bl. 103-104
1984 sollten sowohl die Band BAP als auch Udo Lindenberg Tourneen in der DDR absolvieren. Kurzfristig sagten die staatlichen Stellen die Konzertreihen jedoch ab – aus politischen Gründen.
1984 sollten sowohl die Band BAP als auch Udo Lindenberg Konzertreihen in der DDR absolvieren. Kurz vor Beginn der Tournee von BAP im Januar 1984 kam es jedoch zum Eklat zwischen der Band und den zuständigen staatlichen Stellen. Die Gruppe weigerte sich, ein der SED politisch missliebiges Lied aus ihrem Repertoire zu streichen. Die Tournee wurde daraufhin abgesagt. Ebenfalls im Januar besuchte Udo Lindenberg unangemeldet eine befreundete DDR-Band in Ostberlin und bat einen FDJ-Funktionär dazu, den er im Rahmen seines Auftritts im Palast der Republik kennengelernt hatte. Offiziell wurde der Besuch nicht angemeldet.
Die staatlichen Stellen, die den Einfluss Lindenbergs auf seine Fans in der DDR ohnehin argwöhnisch betrachteten, reagierten alarmiert. Auch Lindenberg stand bereits im Verdacht, seine Tournee für unerwünschte politische Äußerungen missbrauchen zu wollen. Ein "sachkundiger Berater", so ein weiterer Verdacht, könnte ihm dabei geholfen haben, die Genehmigung für die Konzertreihe durchzusetzen. Das vorliegende Dokument fasst den Beschluss des Zentralrats der FDJ in Absprache mit Egon Krenz zusammen, die Tournee abzusagen. Der FDJ-Funktionär, der Lindenberg zu dem unangemeldeten Besuch begleitet hatte, wird darin als der mögliche politische Insider vermutet. Er wurde aller Ämter enthoben.
Information zu Vorkommnissen im Zusammenhang mit den abgesetzten Gastspielen der BRD-Rockgruppe "BAP" und dem Aufenthalt des BRD-Rocksängers Udo Lindenberg am 15.1.84 in der Hauptstadt der DDR, Berlin
Am 16.1.84 informierte Gen. Eberhard Aurich, 1. Sekretär des ZR der FDJ, nach Konsultationen mit Gen. Egon Krenz, Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der SED, über folgende Einschätzungen bzw. Festlegungen:
1. Der Leiter der Abteilung Festival des Politischen Liedes im ZR der FDJ hat mit der Aufrechterhaltung der Kontakte zu Udo Lindenberg und weiteren Personen seiner Verbindungskreise und der Unterlassung einer Information an seine Vorgesetzten über den Besuch des Udo Lindenberg am 15.1.84 zumindest politisch verantwortungs1os gehandelt. Es wird nicht ausgeschlossen, daß [geschwärzt] diese Kontakte und damit im Zusammenhang stehende Aktivitäten zu Auftritten des Udo Lindenberg in der DDR absichtlich ohne Wissen leitender Funktionäre organisiert.
Einen Nachweis gibt es nicht. Es wird aber auch als auffällig beurteilt, daß einige von Udo Lindenberg verwandten Termini sonst nicht im Westen gebräuchlich sind.
2. Der [geschwärzt] wird sofort durch seinen Vorgesetzten, Gen. [geschwärzt] wegen nicht gemeldeter Westkontakte mit einem Verweis bestraft.
Im Interesse der Gewährleistung einer guten Qualität der Veranstaltungen "Festival des politischen Liedes" im Februar 1984 wird [geschwärzt] erst danach aus dem ZR der FDJ entlassen, da zur Zeit die möglichen negativen Auswirkungen noch nicht überblickt werden.
3. Es wurde mit dem Minister für Kultur und der Konzert- und Gastspieldirektion vereinbart, daß Auftritte von Rockgruppen aus dem Ausland in Zukunft nur noch mit Zustimmung des ZR der FDJ erfolgen.
Die vorgesehene "BAP"-Tournee war nicht mit dem ZR der FDJ abgestimmt.
Es entspricht auch nicht den Tatsachen, daß die Einladung der Gruppe "BAP" zur Veranstaltung "Rock für den Frieden" auf Wunsch des ZR der FDJ erfolgt sei. Die FDD hatte gegen die Teilnahme nach Konsultationen mit der SDAJ keine Einwände.
Für das vorgesehene Tourneeprogramm (18. - 30.1.84) gibt es einen Ersatzvorschlag, welcher mit der FDJ abgestimmt ist, Ziel ist es dabei, möglichst Enttäuschungen bei Jugendlichen etwas abzubremsen.
Die ZMA dienten der Schriftgutverwaltung operativer Diensteinheiten. Sie wurden überwiegend personenbezogen geführt und entstanden im Kontext der Erfassung auf Kerblochkarten (KK) bzw. Sichtlochkarten (SLK) sowie vor allem in Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskarteien (VSH).
In ZMA wurden Vermerke und zusammengetragene Unterlagen (sog. sogenannte "Originalinformationen") verwahrt. Der Zugang fand über die o. g. Karteien (KK, SLK, VSH) statt. ZMA waren zu meist als Hängeregistraturen mit numerischer Ablage organisiert. ZMA über Personen, die nicht zu einem registrierten Vorgang (Registrierung) geführt hatten, für die operative Arbeit nicht mehr benötigt, aber als bedeutsam betrachtet wurden (z. B. Ergebnisse aus Sicherheitsüberprüfungen), kamen in der Abteilung XII als "Archiviertes Material über Personen" (Personenablage, Allgemeine/AP) zur Ablage.
Signatur: BArch, MfS, HA XX, ZMA, Nr. 20037, Bl. 103-104
1984 sollten sowohl die Band BAP als auch Udo Lindenberg Tourneen in der DDR absolvieren. Kurzfristig sagten die staatlichen Stellen die Konzertreihen jedoch ab – aus politischen Gründen.
1984 sollten sowohl die Band BAP als auch Udo Lindenberg Konzertreihen in der DDR absolvieren. Kurz vor Beginn der Tournee von BAP im Januar 1984 kam es jedoch zum Eklat zwischen der Band und den zuständigen staatlichen Stellen. Die Gruppe weigerte sich, ein der SED politisch missliebiges Lied aus ihrem Repertoire zu streichen. Die Tournee wurde daraufhin abgesagt. Ebenfalls im Januar besuchte Udo Lindenberg unangemeldet eine befreundete DDR-Band in Ostberlin und bat einen FDJ-Funktionär dazu, den er im Rahmen seines Auftritts im Palast der Republik kennengelernt hatte. Offiziell wurde der Besuch nicht angemeldet.
Die staatlichen Stellen, die den Einfluss Lindenbergs auf seine Fans in der DDR ohnehin argwöhnisch betrachteten, reagierten alarmiert. Auch Lindenberg stand bereits im Verdacht, seine Tournee für unerwünschte politische Äußerungen missbrauchen zu wollen. Ein "sachkundiger Berater", so ein weiterer Verdacht, könnte ihm dabei geholfen haben, die Genehmigung für die Konzertreihe durchzusetzen. Das vorliegende Dokument fasst den Beschluss des Zentralrats der FDJ in Absprache mit Egon Krenz zusammen, die Tournee abzusagen. Der FDJ-Funktionär, der Lindenberg zu dem unangemeldeten Besuch begleitet hatte, wird darin als der mögliche politische Insider vermutet. Er wurde aller Ämter enthoben.
Die vorgesehene Tournee des Udo Lindenberg in der DDR wird nicht stattfinden.
Zunächst wird sich dazu bis nach dem Festival des politischen Liedes überhaupt nicht geäußert.
Danach wird eine entsprechende Begründung dem Udo Lindenberg mitgeteilt. Dabei soll etl. auch die Ablösung des [geschwärzt] genutzt werden.
Die ZMA dienten der Schriftgutverwaltung operativer Diensteinheiten. Sie wurden überwiegend personenbezogen geführt und entstanden im Kontext der Erfassung auf Kerblochkarten (KK) bzw. Sichtlochkarten (SLK) sowie vor allem in Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskarteien (VSH).
In ZMA wurden Vermerke und zusammengetragene Unterlagen (sog. sogenannte "Originalinformationen") verwahrt. Der Zugang fand über die o. g. Karteien (KK, SLK, VSH) statt. ZMA waren zu meist als Hängeregistraturen mit numerischer Ablage organisiert. ZMA über Personen, die nicht zu einem registrierten Vorgang (Registrierung) geführt hatten, für die operative Arbeit nicht mehr benötigt, aber als bedeutsam betrachtet wurden (z. B. Ergebnisse aus Sicherheitsüberprüfungen), kamen in der Abteilung XII als "Archiviertes Material über Personen" (Personenablage, Allgemeine/AP) zur Ablage.
Signatur: BArch, MfS, HA XX, ZMA, Nr. 20037, Bl. 134
1985 verhängte die DDR ein zeitweises Einreiseverbot gegen den westdeutschen Musiker Udo Lindenberg. Die genauen Gründe dafür lassen sich nicht mehr rekonstruieren.
Der westdeutsche Musiker Udo Lindenberg wurde Anfang der 1980er Jahre zunehmend zu einem Ärgernis für die SED-Führung in der DDR. Lindenberg hatte viele Fans in Ostdeutschland, und man betrachtete den sich daraus ergebenden Einfluss argwöhnisch. In seinen Liedern kritisierte er das System der DDR. Als ihm zunächst Konzerte in der DDR verweigert wurden, schrieb er das Lied "Sonderzug nach Pankow". Darin bezeichnete er SED-Generalsekretär Erich Honecker als "Oberindianer" und "sturen Schrat". Endgültig wurde Lindenberg zur unerwünschten Person, als die SED-Führung ihn verdächtigte, eine schließlich doch genehmigte DDR-Tournee für unerwünschte politische Äußerungen nutzen zu wollen.
Das vorliegende Dokument ist ein zeitweiliges Einreiseverbot in die DDR gegen Udo Lindenberg. Hätte der Künstler zwischen dem 4. und 10. Mai 1985 die Grenze passieren wollen, wäre er abgewiesen worden. Die Kopie des Verbots stammt aus einer Materialsammlung des MfS zu Lindenberg. Die Gründe für dieses konkrete Einreiseverbot lassen sich nicht mehr rekonstruieren. Möglicherweise wollte man Lindenberg vom Besuch einer bestimmten Veranstaltung in der DDR abhalten.
Leiter
Hauptabteilung VI
Leiter
Berlin, 29.4.1985
kie-li
Auf Grund zentraler Entscheidung wurde festgelegt, daß dem freischaffenden Rocksänger
Udo Lindenberg (28)
wh.: Westberlin und Hamburg
im Zeitraum vom 04. Mai 1985 bis einschließlich 10. Mai 1985 die Einreise in die DDR nicht gestattet wird.
Bei der versuchten Einreise des Fahndungsobjektes ist dem Lindenberg mitzuteilen, daß seine Einreise in die DDR zur Zeit nicht möglich ist.
Generalmajor
Hauptabteilung VI (Passkontrolle, Tourismus, Interhotel)
Die Hauptabteilung VI befasste sich mit dem grenzüberschreitenden Reiseverkehr. Sie wurde 1970 durch Fusion der Arbeitsgruppen "Passkontrolle und Fahndung" und "Sicherung des Reiseverkehrs" sowie der Zoll-Abwehr (Überwachung der Zoll-Mitarbeiter) gebildet. Die Hauptabteilung VI hatte an den Grenzübergängen der DDR die Reisenden zu kontrollieren und abzufertigen. Deshalb waren die DDR-Passkontrolleure hauptamtliche Mitarbeiter der Hauptabteilung VI. Zur Tarnung trugen sie Uniformen der Grenztruppen. Zunächst war 1950 die Grenzpolizei mit der Grenzabfertigung beauftragt worden.
Bei der Hauptabteilung VI wurden die Daten der Einreisenden einer ersten Analyse unterzogen, um politisch-operativ interessante Personen herauszufiltern. Die Grenzkontrolle umfasste für die Hauptabteilung VI auch die Überwachung der westlichen Grenzkontrollstellen, in Westberlin auch die der Flughäfen Tegel und Tempelhof sowie der Polizei und des Grenzzolldienstes. Zum Verantwortungsbereich der Hauptabteilung VI gehörte die lückenlose Überwachung der Transitstrecken von und nach Westberlin. Bei ihr liefen Avisierungen für bevorzugte Grenzabfertigungen zusammen.
1970 übernahm sie von der Hauptabteilung XX/5 die Aufgabe, Fluchtversuche zu unterbinden und Fluchthelfer im Westen zu verfolgen, was 1975/76 zu Teilen an die Zentrale Koordinierungsgruppe überging (Republikflucht). Die Hauptabteilung VI überwachte touristische Einrichtungen in der DDR, darunter die Reisebüros und die Interhotels. Ebenso kontrollierte sie DDR-Bürger bei ihren Reisen ins sozialistische Ausland, um Kontakte zu westlichen Staatsbürgern und Fluchtversuche ggf. zu unterbinden.
Die Operativgruppen des MfS in der ČSSR, Ungarn und Bulgarien waren ihr von 1970 bis 1989 unterstellt. 1989 gab sie deren Leitung an die Hauptabteilung II (HA II) ab. Im Verantwortungsbereich der Hauptabteilung VI wurden 1979–1981 drei Mordanschläge auf den Fluchthelfer Wolfgang Welsch durchgeführt, die dieser nur knapp überlebte.
Charakteristisch für die Hauptabteilung VI war die enge Kooperation mit vielen MfS-Diensteinheiten und anderen Institutionen wie Grenztruppen und Zoll, da im Bereich der Hauptabteilung VI eine Vielzahl von relevanten Erstinformationen und Daten zusammenkam. 1985 führte die Hauptabteilung VI 1.064 IM, darunter 67 West-IM, von denen 62 in Westberlin lebten.
Hauptabteilung XX (Staatsapparat, Kultur, Kirchen, Untergrund)
Die Hauptabteilung XX bildete den Kernbereich der politischen Repression und Überwachung der Staatssicherheit. In Struktur und Tätigkeit passte sie sich mehrfach an die sich wandelnden Bedingungen der Herrschaftssicherung an. Die Diensteinheit ging 1964 durch Umbenennung aus der Hauptatbeilung V hervor, die ihrerseits in den Abteilungen V und VI (1950–1953) ihre Vorläufer hatte.
Die Hauptabteilung XX und die ihr nachgeordneten Abteilungen XX in den Bezirksverwaltungen (Linie XX) sowie entsprechende Arbeitsbereiche in den KD überwachten wichtige Teile des Staatsapparates (u. a. Justiz, Gesundheitswesen und bis 1986 das Post- und Fernmeldewesen), die Blockparteien und Massenorganisationen, den Kultur- und Sportbereich, die Medien und die Kirchen sowie SED-Sonderobjekte und Parteibetriebe. Federführend war die Hauptabteilung XX auch bei der Bekämpfung der "politischen Untergrundtätigkeit" (PUT), also der Opposition.
Ab der zweiten Hälfte der 50er Jahre und verstärkt seit dem Beginn der Entspannungspolitik fühlte sich das SED-Regime zunehmend durch die "politisch-ideologische Diversion" (PiD) bedroht. Die Schwächung der "Arbeiter-und-Bauern-Macht" durch "ideologische Aufweichung und Zersetzung" galt als Hauptinstrument des Westens bei der Unterminierung der DDR. Auch bei der Bekämpfung der PiD hatte die Hauptabteilung XX innerhalb des MfS die Federführung.
Das Erstarken der Bürgerrechtsbewegung (Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen) in der DDR führte in den 80er Jahren zu einem weiteren Bedeutungszuwachs der Linie XX. In der DA 2/85 bestätigte Minister Mielke dementsprechend die Federführung der Hauptabteilung XX bei der Bekämpfung der PUT.
Im Verlauf der fast 40-jährigen Entwicklung der Hauptabteilung XX veränderte sich ihre Struktur mehrfach. In der Endphase verfügte sie über neun operative Abteilungen und vier Funktionalorgane der Leitung (Sekretariat, Arbeitsgruppe der Leitung, Koordinierungsgruppe des Leiters, Auswertungs- und Kontrollgruppe).
Die Hauptabteilung V lag ab 1953 zunächst im unmittelbaren Anleitungsbereich von Mielke in seiner Eigenschaft als 1. Stellvertreter des Staatssicherheitschefs. Ab 1955 war der stellvertretende Minister Bruno Beater und 1964–1974 der stellv. Minister Fritz Schröder auf der Ebene der MfS-Leitung für die Hauptabteilung XX zuständig. Beide waren zuvor selbst (Beater 1953–1955, Schröder 1955–1963) Leiter der Hauptabteilung V. Seit 1975 gehörte die Hauptabteilung XX zum Verantwortungsbereich von Mielkes Stellvertreter Rudi Mittig. Von 1964 bis zur Auflösung des MfS leitete Kienberg die Hauptabteilung XX. Ihm standen seit 1965 zwei Stellvertreter zur Seite.
1954 waren in der Hauptabteilung V insgesamt 139 Mitarbeiter beschäftigt. Im Herbst 1989 verfügte die Hauptabteilung XX über 461 Mitarbeiter, von denen mehr als 200 als IM-führende Mitarbeiter eingesetzt waren.
In den 15 Bezirksverwaltungen waren auf der Linie XX im Oktober 1989 insgesamt knapp 1.000 Kader und damit auf der gesamten Linie XX fast 1.500 hauptamtliche Mitarbeiter im Einsatz. Gleichzeitig konnte allein die Hauptabteilung XX mit etwas mehr als 1.500 IM auf einen überdurchschnittlich hohen Bestand an inoffiziellen Kräften zurückgreifen. Ihrem Aufgabenprofil entsprechend spiegelt sich nicht zuletzt in der Entwicklung der Hauptabteilung XX auch die Geschichte von Opposition, Widerstand und politischer Dissidenz in der DDR. Im Herbst 1989 wurden von der Diensteinheit 31 Operative Vorgänge (10 Prozent aller Operativen Vorgänge im Berliner Ministeriumsbereich) und 59 Operative Personenkontrollen (8,7 Prozent) bearbeitet.
Organisationsstruktur in der MfS-Zentrale, die durch den Minister oder einen seiner Stellvertreter direkt angeleitet wurde. Die zuletzt 13 Hauptabteilungen wurden durch Einzelleiter geführt. Die weiter untergliederten und nach dem Linienprinzip tätigen HA waren für komplexe, abgegrenzte Bereiche operativ zuständig und federführend verantwortlich. Der Zuschnitt der Zuständigkeitsbereiche war an Ressorts oder geheimdienstlichen Praktiken (z. B. Verkehrswesen, Beobachtung, Funkspionage) orientiert.
Die ZMA dienten der Schriftgutverwaltung operativer Diensteinheiten. Sie wurden überwiegend personenbezogen geführt und entstanden im Kontext der Erfassung auf Kerblochkarten (KK) bzw. Sichtlochkarten (SLK) sowie vor allem in Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskarteien (VSH).
In ZMA wurden Vermerke und zusammengetragene Unterlagen (sog. sogenannte "Originalinformationen") verwahrt. Der Zugang fand über die o. g. Karteien (KK, SLK, VSH) statt. ZMA waren zu meist als Hängeregistraturen mit numerischer Ablage organisiert. ZMA über Personen, die nicht zu einem registrierten Vorgang (Registrierung) geführt hatten, für die operative Arbeit nicht mehr benötigt, aber als bedeutsam betrachtet wurden (z. B. Ergebnisse aus Sicherheitsüberprüfungen), kamen in der Abteilung XII als "Archiviertes Material über Personen" (Personenablage, Allgemeine/AP) zur Ablage.
Udo rockt für den Weltfrieden
Wie können ein Musiker und sein Lied über einen Sonderzug einen Staat und seine Geheimpolizei über Wochen und Monate hinweg beschäftigen? Die Geschichte vom Auftritt Udo Lindenbergs im Ost-Berliner Palast der Republik gibt Antworten und zeigt dabei die vielfältigen Verflechtungen zwischen dem Parteiapparat der SED und seiner Geheimpolizei Stasi beim Streben nach allumfassender Kontrolle – selbst, wenn es nur um Musik ging.
Die aufgeführten Dokumente zeigen beispielhaft, wie umfassend die Stasi im Auftrag der SED agierte und wie eng andere staatliche Institutionen mit ihr kooperierten – alles zur Kontrolle von Menschen, die Lust auf andere Musik hatten.
Einleitung
Der Sonderzug nach Pankow
Vermerk über das Auftreten Udo Lindenbergs
Information über das Abspielen eines Liedes mit die DDR diskriminierendem Inhalt
Auskunft zum BRD-Rockmusiker Udo Lindenberg
Rechtliche Einschätzung zum Liedtext "Sonderzug nach Pankow" von Udo Lindenberg
Operative Information Nr. 30/83 über Udo Lindenberg hörende Studenten
Vorschläge zur Bestrafung von Personen, die Udo Lindenbergs Lied "Sonderzug nach Pankow" in der Öffentlichkeit wiedergeben
Mitschrift der Stasi von einer RIAS-Sendung zu Udo Lindenberg
Brief von Udo Lindenberg an Erich Honecker
Information des IME "Robert" zu einem geplanten Konzert von Udo Lindenberg
Informationen zum Auftritt des Sängers Udo Lindenberg im Palast der Republik
Hinweise zum geplanten Auftritt Udo Lindenbergs im Palast der Republik
Information über die Reaktionen der Bevölkerung zum Auftritt Udo Lindenbergs in der DDR
Konzeption für Auswahl und Vorbereitung der Teilnehmer am Udo-Lindenberg-Konzert
Teilnehmerschlüssel für das Udo-Lindenberg-Konzert am 25.10.1983
Kräfteeinsatzplan zur Sicherung des Udo-Lindenberg-Konzertes am 25.10.1983
IM-Bericht über den Kartenverkauf für das Lindenberg-Konzert in Ost-Berlin
IM-Bericht über Meinungen zum Lindenberg-Konzert in Ost-Berlin
Brief des Generaldirektors der Künstler-Agentur an den Minister für Kultur
Information über Diskussionen unter FDJ-Mitgliedern
Einsatzplan zur Sicherung des Konzertes von Udo Lindenberg und Harry Belafonte
Karte des Marx-Engels-Platzes mit dem Palast der Republik
Hinweis über Reaktionen der Bevölkerung zum bevorstehenden Auftritt von Udo Lindenberg
Zutrittskarte für das Udo-Lindenberg-Konzert am 25.10.1983
Zutrittskarte für das Udo-Lindenberg-Konzert am 25.10.1983
Udo rockt in Ostberlin
Informationen zu Aufenthalten Udo Lindenbergs in Ost-Berlin
Bericht zu Film- und Fotoaufnahmen im Zusammenhang mit der Einreise Udo Lindenbergs
Ankunft Udo Lindenbergs am Grenzübergang Invalidenstraße am 25.10.1983
Verteiler für die Bilddokumentation des Grenzübertritts von Udo Lindenberg am 25.10.1983
Aktivitätenplan am Tag des Udo-Lindenberg-Konzertes im Palast der Republik
Information zur Abfahrt Udo Lindenbergs vom Palast der Republik zum IPZ
Menschenmenge in Berlin anlässlich eines Konzerts von Udo Lindenberg
Bericht über die Pressekonferenz mit Harry Belafonte und Udo Lindenberg in Ost-Berlin
Udo Lindenberg bei der Pressekonferenz am 25.10.1983
Bericht des IMB "Ernst" über ein Treffen mit Udo Lindenberg
Augenzeugenbericht zu den Verhaftungen während des Lindenberg-Konzerts in Ost-Berlin
Lagefilm der Stasi zum Konzert mit Udo Lindenberg im Palast der Republik
Risiko Lindenberg nicht kalkulierbar
Reaktionen der DDR-Bevölkerung zum Auftritt von Udo Lindenberg in Ost-Berlin
Information zur Teilnahme des Udo Lindenberg am Friedenskonzert
Information zur Reaktion des Publikums während des Konzerts von Udo Lindenberg
Erfahrungsprotokoll zum Einsatz der Stasi beim Lindenberg-Konzert
Information zum öffentlichen Auftreten Udo Lindenbergs während seines Konzertes in Ost-Berlin
Abschlussbericht zum Sicherungseinsatz beim Friedensfestival der FDJ im Palast der Republik
Information über die beim Lindenberg-Konzert in Ost-Berlin anwesenden Pressevertreter
Information über Unmutsäußerung des Generaldirektors der Künstleragentur Hermann Falk
Erkenntnisse aus dem Sicherungseinsatz beim Friedenskonzert mit Udo Lindenberg
Information über Tourneen von BAP und Udo Lindenberg in der DDR
Einreiseverbot für Udo Lindenberg in die DDR
Information über einen unangemeldeten Besuch Udo Lindenbergs in Ost-Berlin
Zusammenfassung der Übertragung eines Konzerts von Udo Lindenberg im SFB
Information zu einem Aufenthalt Udo Lindenbergs in Ost-Berlin
Weiterführende Literatur