Festnahme und Haft
Am 4. März 1955 schlug die Stasi zu. Gegen 10:00 Uhr nahm sie Laurenz fest, gegen 18:00 Uhr Barczatis. Sie wurden zunächst in die Inspektion der Volkspolizei in Berlin-Lichtenberg gebracht, bevor sie in die zentrale Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen kamen. Die Staatssicherheit erstellte die Einlieferungsanzeigen und nahm die Personalien von Elli Barczatis und Karl Laurenz auf. Mit der Festnahme am 4. März begann ein halbjähriges strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen die beiden. In Hohenschönhausen mussten sie sich über Monate hinweg stundenlangen Vernehmungen unterziehen, die häufig nachts stattfanden.
Ihre "Untersuchungsführer", wie die Vernehmer im Stasi-Jargon genannt wurden, waren Gerhard Niebling und Karli Coburger. Beide erklommen fortan die Karriereleiter bei der Staatssicherheit: Niebling wurde schließlich 1983 Leiter der Zentralen Koordinationsgruppe Flucht/Übersiedlung, Coburger war ab 1984 Leiter der Hauptabteilung VIII (Beobachtung, Ermittlung).
Durch die nächtlichen Verhöre versuchten die Vernehmer, den Gefangenen ein Geständnis abzunötigen. Psychische Folter durch Schlafentzug war für die Stasi eine übliche Methode, um die Gefangenen zu zermürben. Während Barczatis bald umfänglich aussagte, leistete Laurenz anfangs noch Widerstand. Letztendlich gestand auch er. Mitte Juni 1955 waren die Untersuchungen abgeschlossen. Ein halbes Jahr später, am 23. September 1955, kam es schließlich zum Prozess vor dem Obersten Gericht der DDR. Die Verwandten von Barczatis und Laurenz erfuhren nichts von den genauen Umständen der Verhaftungen und durften keinen Kontakt zu den beiden aufnehmen.