Signatur: BArch, MfS, HA VII, Nr. 4777, Bl. 36
Im Zentralen Aufnahmeheim in Röntgental (ZAH) bei Berlin wurde ab 1979 die Mehrzahl derjenigen überprüft, die aus der Bundesrepublik in die DDR übersiedeln wollten. Die Bilder zeigen Eingang und Zaun des Heims.
Das Zentrale Aufnahmeheim für Übersiedler und Rückkehrer (ZAH) unterstand dem Ministerium des Innern (MdI), doch in der Praxis führte die Stasi hier die Regie. Die Mitarbeiter der Hauptabteilung VII, Abteilung 3 des MfS verhörten die Aufnahmeersuchenden und schleusten Inoffizielle Mitarbeiter in das Heim ein, die auftragsgemäß Rückkehrer bzw. Zuziehende und auch die Beschäftigten des Aufnahmeheims bespitzelten. In den späten achtziger Jahren war zudem der Leiter der Heims zugleich Offizier im besonderen Einsatz (OibE) der Stasi.
Der Heimaufenthalt sollte die Übersiedler auf das Leben in der sozialistischen Gesellschaft vorbereiten. Vor allem jedoch wollte die Stasi dort prüfen, wie ernst es den Neuankömmlingen mit einer Übersiedlung in die DDR war, denn stets wurde das Einschleusen feindliche Spione befürchtet. Gleichzeitig wollte die Stasi durch die Befragungen selbst wichtige Details über Politik und Gesellschaft der Bundesrepublik sowie die westlichen Notaufnahmelager in Erfahrung bringen. Wenn möglich sollten Aufnahmeersuchende sogar mit einem Spionageauftrag noch einmal in die Bundesrepublik zurückkehren und sich so ihre Aufnahme in die DDR "verdienen". Aufgenommen wurde nur, wer nach Ansicht der Stasi nützlich und integrierbar erschien. Zurückgewisen wurde, wer der Geheimpolizei politisch mißliebig, kriminell, "asozial", "arbeitsscheu" oder psychisch krank erschien.
Meist dauerte der Aufenthalt in Röntgental mehrere Wochen, teilweise sogar mehrere Monate. In dieser Zeit durften die Übersiedler das Gelände nicht verlassen und wurden wiederholt von Stasi und Volkspolizei verhört. Die Bilder zeigen die Abschottung des Gebäudekomplexes durch einen Metallzaun, der Eingangsbereich ist allerdings kaum zu erkennen. Übersiedler berichteten von bedrückenden Zuständen dort, die eher einem Gefängnisaufenthalt glichen.
Bilddokumentation über die derzeitige Gestaltung der Umzäunung und des Eingangs zum ZAH des MdI
Gesamtansicht des Zaunes von der Eingangsseite gesehen
Ein aufgeklebtes Bild zeigt eine schmale, asphaltierte Straße, die links und rechts von Bäumen gesäumt wird, die ein sattes grün aufweisen. Einige Bäume werfen ihre Schatten auf die Straße. Entlang der Straße, auf der rechten Seite verläuft ein halbhoher Metallzaun blau-grauer Farbe.
Ansicht der Eingangslösung zum gegenwärtigen Zeitpunkt
Ein aufgeklebtes Bild zeigt im Vordergrund eine asphaltierte Straße. Dahinter bedindet sich ein halbhoher Metallzaun blau-grauer Farbe. In der Mitte des Bildes ist ein Tor gleicher Beschaffenheit zu erkennen. Hinter dem Zaun sieht man das Dach eines niedrigen, weißen Gebäudes.
Hauptabteilung VII (Ministerium des Innern, Deutsche Volkspolizei)
Die Hauptabteilung VII und die ihr zugeordnete Linie VII waren für das Ministerium des Innern (MdI) und die ihm nachgeordneten Bereiche zuständig, d.h. für die Kriminalpolizei (insbesondere deren Arbeitsrichtung I/K I), die Schutz-, Verkehrs- und Bereitschaftspolizei, die Kampfgruppen, den Betriebsschutz, den Strafvollzug, das Pass- und Meldewesen, die Feuerwehr, das Deutsche Rote Kreuz, das Zentrale Aufnahmeheim in Röntgental, das Archivwesen, Geodäsie und Kartographie sowie die Politische Verwaltung des MdI, die medizinischen Einrichtungen der Volkspolizei und die Bereiche Innere Angelegenheiten der staatlichen Verwaltungen.
Zum Teil reichte der Verantwortungsbereich der Hauptabteilung bzw. Linie VII über das MdI hinaus, so etwa gegenüber der Zivilverteidigung, die seit 1977 dem MfNV unterstand. Andere nachgeordnete Bereiche des MdI wurden indes aus fachlichen Gründen von anderen Diensteinheiten der Staatssicherheit abgesichert, so etwa die Arbeitsrichtung Observation der Kriminalpolizei (I/U) (durch die Hauptabteilung VIII), das Wachkommando Missionsschutz (durch die HA II) oder die Transport- und Wasserschutzpolizei (durch die HA XIX).
Gegenüber den Kampfgruppen sowie den lokalen Abteilungen Innere Angelegenheiten teilte sich die Linie VII die Zuständigkeit mit anderen Diensteinheiten. Die Abteilung VII der Verwaltung Groß-Berlin war zeitweise auch für die "Bearbeitung" der Polizei von Westberlin zuständig.
Gleichwohl fungierte die Linie VII als Generalbevollmächtigter des Mielke-Imperiums gegenüber der Volkspolizei. Hatte sie in den 50er Jahren vor allem gegen auffällige Volkspolizisten ermittelt sowie vermutete Spionage aufgedeckt, durchleuchtete sie die Polizei in den späteren Jahren immer stärker prophylaktisch, knüpfte ein weites Netz von Zuträgern im dienstlichen wie im privaten Bereich der Volkspolizisten und beeinflusste auch zunehmend die fachlichen Entscheidungen auf Leitungsebene.
Verfügte die Abteilungen VII im MfS 1958 über 38 Mitarbeiter in drei Referaten, so wurde sie im Folgejahr zur HA aufgewertet und wuchs bis 1989 auf 319 hauptamtliche Geheimpolizisten in acht Abteilungen an. Hinzu kamen 510 Mitarbeiter in den Abteilungen VII der BV sowie 264 sogenannte Abwehroffiziere Volkspolizei, seit 1981 der verlängerte Arm der Linie VII in den KD.
Eine selbständige Abteilung ist eine Organisationsstruktur in der MfS-Zentrale, die durch den Minister oder einen seiner Stellvertreter direkt angeleitet und durch militärische Einzelleiter geführt wurde. Die weiter untergliederten Abteilungen prägten Linien aus (z. B. Abt. XIV; Linienprinzip) oder blieben auf die Zentrale beschränkt (z. B. Abt. X). Die eng umrissenen Zuständigkeiten mit operativer Verantwortung und Federführung orientierten sich an geheimdienstlichen Praktiken (Telefonüberwachung) oder Arbeitsfeldern (Bewaffnung, chemischer Dienst).
Organisationsstruktur in der MfS-Zentrale, die durch den Minister oder einen seiner Stellvertreter direkt angeleitet wurde. Die zuletzt 13 Hauptabteilungen wurden durch Einzelleiter geführt. Die weiter untergliederten und nach dem Linienprinzip tätigen HA waren für komplexe, abgegrenzte Bereiche operativ zuständig und federführend verantwortlich. Der Zuschnitt der Zuständigkeitsbereiche war an Ressorts oder geheimdienstlichen Praktiken (z. B. Verkehrswesen, Beobachtung, Funkspionage) orientiert.
Zur Durchdringung von Ministerien und anderen wichtigen Stellen des Staatsapparates, der Wirtschaft, aber auch außerhalb der DDR setzte das MfS hauptamtliche Mitarbeiter als Offizier im besonderen Einsatz (OibE) ein. Sie agierten dort verdeckt und mit einer legendierten Biografie ausgestattet. Schwerpunkte waren das System der Sicherheitsbeauftragten in den Betrieben, Residenten sowie Wachkräfte in den Auslandsvertretungen der DDR.
In einigen Bereichen arbeiteten zeitweise regelrechte OibE-Strukturen, etwa im MdI der DDR (Personendatenbank), dem Entwicklungszentrum des Kombinates Robotron oder der Sektion Kriminalistik der Humboldt-Universität. 1983 gab es 3.471 OibE, danach sank die Zahl. 1988 verfügten 27 Diensteinheiten der MfS-Zentrale über 1.856 OibE.
Signatur: BArch, MfS, ZKG, Nr. 3791, Bl. 205-206
Die Stasi verpflichtete im Zentralen Aufnahmeheim Röntgental einen Rückkehrer dazu, öffentlich gegen Ausreiseanträge Stellung zu beziehen. Als Gegenleistung bot sie ihm an, seine Wiederaufnahme in die DDR zu befürworten.
1985 riefen SED und Stasi eine Kampagne mit ehemaligen DDR-Bürgern ins Leben, die von der Bundesrepublik in die DDR zurückkehren wollten. So druckte die Partei-Zeitung "Neues Deutschland" unter der Überschrift "Über 20.000 Ehemalige wollen zurück" Aussagen ehemaliger DDR-Bürger: Angesichts von Arbeitslosigkeit und "sozialer Kälte" im Westen würden sie lieber wieder in die DDR zurückkehren. Hatte Ost-Berlin in den 50er Jahren mit ähnlichen Kampagnen noch offensiv für die Zu- und Rückwanderung geworben, sollten nun vor allem Ausreisewillige frühzeitig umgestimmt werden. Zu diesem Zweck wurden in dem Artikel die Zahlen der Rückkehrwilligen weit übertrieben und ihre Lebenswege und Motive teilweise konstruiert. Die Kampagne war eine Reaktion auf den sprunghaft wachsenden Strom von Ausreisewilligen: 1984 hatte die SED in Zusammenhang mit dem Milliardenkredit aus der Bundesrepublik etwa 30.000 Menschen ausreisen lassen.
Bei ihrer Wiederaufnahme überprüfte die Stasi die politische Zuverlässigkeit der West-Ost-Migranten vor wie auch nach der Ankunft, entschied über die Aufnahme und bereitete die Rückkehrer auf öffentliche Auftritte und Interviews vor. Auch ein 1984 in die BRD übergesiedelter ehemaliger DDR-Bürger war unter diesen Rückkehrern.
Noch während seines Aufenthalts im Zentralen Aufnahmeheim Röntgental erinnerten ihn zwei Stasi-Offiziere daran, die "Zurückdrängung von Übersiedlungsersuchen" zu unterstützen. Als Vertreter seines Kombinats getarnt, offerierten ihm die Stasi-Mitarbeiter Unterstützung bei beruflichen und sozialen Problemen nach der Ankunft am Wohnort.
Dem Rückkehrer dürfte deutlich geworden sein, wie sehr er der Stasi ausgeliefert war. Ihr gegenüber beklagte er sich, wie lange er schon in Röntgental ausharren musste. Sich an der staatlichen Propaganda zu beteiligen, schien der einzige Ausweg zu sein.
Zentrale Koordinierungsgruppe
Abteilung 1
Berlin, 25. April 1986
mi-bü
Bericht
über das geführte Gespräch mit dem sich zur Durchführung des Aufnahmeverfahrens im ZAH Röntgenthal befindenden ehemaligen DDR-Bürger [geschwärzt]
Datum/Zeit 22. April 1986, 15.10 Uhr - 15.55 Uhr
Ort ZAH Röntgenthal
Teilnehmer Hptm. Michel, ZKG, Abt. 1
Oltn. Stephan, OD [geschwärzt]
Ziel des Gespräches
1. Dem Aufnahmeersuchenden sollte vor seiner Einweisung in das Bezirksaufnahmeheim [geschwärzt] zur Vorbereitung der wohnungs- und arbeitsmäßigen Eingliederung durch den Gen. Oltn. Stephan, der legendiert als Vertreter der Kaderabteilung des Kombinates [geschwärzt] auftrat und dem [geschwärzt] bekannt ist, seine Möglichkeiten nach Arbeitsaufnahme im Kombinat aufgezeigt werden.
2. [geschwärzt] sollte durch die gesprächsführenden Genossen, Gen. Michel sollte bei Fragestellung des [geschwärzt] als Mitarbeiter der Abt. Inneres legendiert werden, dargelegt werden, wie die von ihm in einem Gespräch am 23.1.1986 erklärte Bereitschaft zur Unterstützung bei der Zurückdrängung von Übersiedlungsversuchen (Presse, Rundfunk, Fernsehen) aussehen soll.
[geschwärzt] legt dar, daß ihm der Aufenthalt im ZAH bereits zu lange dauert.
Seine Bekannte [geschwärzt] ihn im ZAH besucht hat und bereit ist, ihn in der Wohnung aufzunehmen. Er bei seinem Besuch am 13. März 1986 in der Aufnahmestelle Berlin sich auch mit seiner Tochter, z. Zt. Praktikantin [geschwärzt], getroffen hat, die ihrerseits bereit ist, die von ihm übernommene Wohnung ihm für den Zeitraum ihres Aufenthaltes in [geschwärzt] zur Verfügung zu stellen. Sollte dies abgelehnt werden, ist er auch bereit, zur Frau [geschwärzt], die eine sehr kleine Wohnung bewohnt, zu ziehen.
Die ersten Objektdienststellen wurden 1957 für die Chemiekombinate Buna und Leuna gegründet, die letzte 1981 für das Kernkraftwerk "Bruno Leuschner" bei Lubmin. 1989 existierten sieben Objektdienststellen, zwölf – darunter neun Objektdienststellen der Objektverwaltung "W" – sind bis 1982 aufgelöst worden. Erst 1969 erfolgte mit der 1. Durchführungsbestimmung zur Richtlinie 1/69 die Festlegung der normativen Grundorientierung für die Objektdienststellen. Sie besaßen einen den Kreisdienststellen (KD) vergleichbaren Status und waren in der Struktur der jeweiligen Bezirksverwaltung (BV) gemäß dem Linienprinzip eingeordnet und dem dortigen Stellvertreter Operativ unterstellt.
Die Objektdienststellen befanden sich in den zu sichernden Wirtschaftsobjekten oder zumindest in deren unmittelbarer räumlicher Nähe. Ihre Organisationsstruktur wies Referate und/oder Arbeitsgebiete sowie ggf. temporäre nichtstrukturelle Arbeitsgruppen (NSAG) auf, jedoch auch Einzelverantwortliche für bestimmte Arbeitsbereiche. Der Gesamtpersonalbestand betrug zuletzt 257 Mitarbeiter; er schwankte in den einzelnen Objektdienststellen zwischen 24 und 56. Ihnen standen ca. 2.000 IM aller Kategorien zur Verfügung. Entsprechend den Veränderungen in der Produktionsstruktur der Wirtschaftsobjekte waren Struktur- und Organisationsänderungen recht häufig.
Die Leiter der Objektdienststellen hatten die Informationsbeziehungen einschließlich offizieller Verbindungen zu den Leitungen der Betriebe und Einrichtungen zu organisieren. Die Sicherheitsstandards richteten sich nach dem Gefährdungs- und Bedeutungsstatus der jeweiligen Wirtschaftsobjekte. Entsprechend hoch war er für das Kernkraftwerk, das Kombinat Carl Zeiss Jena sowie für die drei großen Kombinate im Chemiedreieck Leuna, Buna und Bitterfeld.
Die Zentrale Koordinierungsgruppe (ZKG) entstand 1975 durch Übernahme von Aufgaben verschiedener Diensteinheiten, insbesondere von HA VI und HA XX/5. Aufgaben: zentrale Koordinierung des Vorgehens des MfS im Zusammenhang mit Übersiedlungen in die Bundesrepublik Deutschland, nach Westberlin bzw. das nichtsozialistische Ausland, einschließlich der Versuche des Zurückdrängens von Ausreiseanträgen bzw. zur Verhinderung des Verlassens der DDR und zur Bekämpfung des sog. staatsfeindlichen Menschenhandels bis hin zur Mitwirkung an den Entscheidungen in Ausreisefällen.
Signatur: BArch, MfS, ZKG, Nr. 3791, Bl. 205-206
Die Stasi verpflichtete im Zentralen Aufnahmeheim Röntgental einen Rückkehrer dazu, öffentlich gegen Ausreiseanträge Stellung zu beziehen. Als Gegenleistung bot sie ihm an, seine Wiederaufnahme in die DDR zu befürworten.
1985 riefen SED und Stasi eine Kampagne mit ehemaligen DDR-Bürgern ins Leben, die von der Bundesrepublik in die DDR zurückkehren wollten. So druckte die Partei-Zeitung "Neues Deutschland" unter der Überschrift "Über 20.000 Ehemalige wollen zurück" Aussagen ehemaliger DDR-Bürger: Angesichts von Arbeitslosigkeit und "sozialer Kälte" im Westen würden sie lieber wieder in die DDR zurückkehren. Hatte Ost-Berlin in den 50er Jahren mit ähnlichen Kampagnen noch offensiv für die Zu- und Rückwanderung geworben, sollten nun vor allem Ausreisewillige frühzeitig umgestimmt werden. Zu diesem Zweck wurden in dem Artikel die Zahlen der Rückkehrwilligen weit übertrieben und ihre Lebenswege und Motive teilweise konstruiert. Die Kampagne war eine Reaktion auf den sprunghaft wachsenden Strom von Ausreisewilligen: 1984 hatte die SED in Zusammenhang mit dem Milliardenkredit aus der Bundesrepublik etwa 30.000 Menschen ausreisen lassen.
Bei ihrer Wiederaufnahme überprüfte die Stasi die politische Zuverlässigkeit der West-Ost-Migranten vor wie auch nach der Ankunft, entschied über die Aufnahme und bereitete die Rückkehrer auf öffentliche Auftritte und Interviews vor. Auch ein 1984 in die BRD übergesiedelter ehemaliger DDR-Bürger war unter diesen Rückkehrern.
Noch während seines Aufenthalts im Zentralen Aufnahmeheim Röntgental erinnerten ihn zwei Stasi-Offiziere daran, die "Zurückdrängung von Übersiedlungsersuchen" zu unterstützen. Als Vertreter seines Kombinats getarnt, offerierten ihm die Stasi-Mitarbeiter Unterstützung bei beruflichen und sozialen Problemen nach der Ankunft am Wohnort.
Dem Rückkehrer dürfte deutlich geworden sein, wie sehr er der Stasi ausgeliefert war. Ihr gegenüber beklagte er sich, wie lange er schon in Röntgental ausharren musste. Sich an der staatlichen Propaganda zu beteiligen, schien der einzige Ausweg zu sein.
Im Kombinat, das bereit ist, ihn wieder arbeitsmäßig einzugliedern, wie Frau [geschwärzt] ihn informierte, erhofft er sich nach einer Anlaufzeit gewisse Entwicklungsmöglichkeiten, besonders finanziell. Er ist der Meinung, daß seine Rückkehr bei den Kollegen des Kombinates durch Information der [geschwärzt] bekannt sein müßte.
Er legte Bedenken bezüglich seiner Bereitschaft der Unterstützung der staatlichen Organe bei der Zurückdrängung dar betreffs Rundfunk, Fernsehen. ([geschwärzt] dachte, er solle in Life-Sendungen auftreten)
Gen. Oltn. Stephan informierte über die Bereitschaft, wenn dem [geschwärzt] durch die staatlichen Organe die Rücksiedlung gestattet wird, ihn arbeitsmäßig im Kombinat [geschwärzt] wieder zu integrieren.
Es ist nicht möglich, ihm eine Arbeit im ehemaligen Arbeitskollektiv anzubieten, jedoch wird er gemäß seinen Fähigkeiten eingesetzt.
Über Entwicklungsmöglichkeiten kann ihm keine Zusage gegeben werden.
Das Kombinat wird ihn in allen Belangen der arbeits- und wohnungsmäßigen Eingliederung unterstützen und erwartet von ihm die Erfüllung seiner am 23.1.1986 gemachten Erklärung zur Unterstützung bei der Zurückdrängung von Übersiedlungsersuchen im Kombinat und darüber hinaus.
Gen. Hptm. Michel erklärte dem [geschwärzt], daß er nicht in Life- Sendungen des Fernsehens bzw. Rundfunks auftreten soll, daß seine Bereitschaft zur Unterstützung der staatlichen Organe anders gemeint ist, wie
- Aufzeichnung auf Tonband zur Unterstützung des genannten Prozesses, Befragung durch Reporter des Rundfunks
- Bildaufzeichnung (Fernsehen) zur Verwendung dieses Problemkreises betreffender Sendungen (Interviews)
- Interview durch Journalisten zur Veröffentlichung in Tageszeitungen der DDR, wenn es für notwendig erachtet wird
[geschwärzt] erklärte, daß er auf der Grundlage des Dargelegten, wie diese Unterstützung aussehen soll, bereit ist, eine Erklärung für diese Bereitschaft schriftlich abzugeben.
Er bedankte sich für das Gespräch und erklärte nochmals, die Hoffnung, bald aus dem ZAH nach [geschwärzt] eingewiesen zu werden.
Das Gespräch wurde entsprechend der Zielstellung beendet.
Michel
Hauptmann
Strafprozessrechtlich zulässige Möglichkeit der offiziellen Kontaktaufnahme mit Verdächtigen, Zeugen und anderen Personen noch vor Einleitung eines Ermittlungsverfahrens (strafprozessuales Prüfungsstadium). Verdächtige konnten gemäß § 95 StPO/1968 zur Befragung zugeführt werden (Zuführung). Vom MfS wurde die B. gelegentlich als demonstrative Maßnahme zur Einschüchterung Oppositioneller genutzt, gegen die aus politischen Gründen kein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden sollte.
Die Zentrale Koordinierungsgruppe (ZKG) entstand 1975 durch Übernahme von Aufgaben verschiedener Diensteinheiten, insbesondere von HA VI und HA XX/5. Aufgaben: zentrale Koordinierung des Vorgehens des MfS im Zusammenhang mit Übersiedlungen in die Bundesrepublik Deutschland, nach Westberlin bzw. das nichtsozialistische Ausland, einschließlich der Versuche des Zurückdrängens von Ausreiseanträgen bzw. zur Verhinderung des Verlassens der DDR und zur Bekämpfung des sog. staatsfeindlichen Menschenhandels bis hin zur Mitwirkung an den Entscheidungen in Ausreisefällen.
Kontrollierte Rückkehr
Seit 1981 hatte der Mann, der als Naturwissenschaftler arbeitete und in einer Großstadt der DDR lebte, sieben Ausreiseanträge gestellt, weil er sich laut Stasi-Bericht in der DDR "persönlich eingeengt fühlt und seine berufliche Entwicklung gehemmt sei". Er wollte seinem Bruder, der bereits in den 1950er Jahren geflüchtet war, in die Bundesrepublik folgen. Mehrere Jahre wurde der Mann wegen seines Ausreisewunsches von der Stasi überwacht.
1984 spitzte sich die Situation zu: Im Februar führten MfS-Mitarbeiter mit ihm ein "Verhinderungsgespräch", um ihn umzustimmen. Der Ausreisewillige hielt jedoch an seinen Plänen fest und drohte im März damit, seine Anträge mit "spektakulären Mitteln" durchzusetzen. Aufgrund dieser Drohung und der engen Kontakte zu seinen Verwandten im Westen, die er über seine Anträge auf dem Laufenden hielt, fürchtete die Stasi negative Schlagzeilen für das SED-Regime.
Am 2. April 1984 leitete das MfS eine Operative Personenkontrolle (OPK) mit dem Namen "Abflug II" gegen den Ausreisewilligen ein. Die Übersiedlung in den Westen sollte nun mit allen Mitteln verhindert werden. Drei Tage später wurde er inhaftiert. Der Wunsch nach Reisefreiheit und Übersiedlung endete in einer Strafvollzugseinrichtung.
Aus Gründen des Datenschutzes wurden alle persönlichen Angaben anonymisiert.
Einleitung
Abschlußbericht zur Operativen Personenkontrolle "Abflug II"
Die Rückkehrer-Kampagne
Anweisung zur Überprüfung von Rückkehrern in die DDR
Ausreise und Rückkehrwunsch
Bitte eines ehemaligen DDR-Bürgers um Rückkehr
Überprüfung durch die Stasi
Vorschlag zur "Wiederaufnahme in die DDR im begründeten Einzelfall"
Vorbereitung der Wiederaufnahme
Operativplan zur Wiederaufnahme eines Rückkehrers in die DDR
Prüfungsgespräch vor der Rückkehr
Bericht über ein Gespräch mit einem Rückkehrwilligen
Aufhebung der Einreisesperre
Aufhebung der Einreisesperre gegen einen ehemaligen DDR-Bürger
Durchleuchtung in Röntgental
Überwachung von Rückkehrern und Zuziehenden im Zentralen Aufnahmeheim Röntgental
Bilder des Zentralen Aufnahmeheims Röntgental
Fotos der Umzäunung und des Eingangs des Zentralen Aufnahmeheims Röntgental
Gespräch mit einem ehemaligen DDR-Bürger im ZAH Röntgental
Propagandaeinsatz
Ausschnitt der Tondokumentation "Zurückgekehrt – Interviews mit Enttäuschten"
Wiederaufnahme und Überwachung
Abschlussbericht der HA VII/3 über den Aufenthalt im Zentralen Aufnahmeheim Röntgental
Ergebnisbericht zur Durchführung der OPK "Einflug"
Wirksamkeit der Propaganda
Einbeziehung von Rückkehrern in die Öffentlichkeitsarbeit zur Verhinderung neuer Ausreisewünsche
Bericht über den öffentlichen Auftritt eines Rückkehrers vor Funktionären
Unzufriedenheit und Ende der Zusammenarbeit
Auskunftsbericht zu einer in die DDR zurückgekehrten Person