Unterstützung

Anfang der achtziger Jahre wurden die Kontakte zwischen den Terroristen und der Staatssicherheit enger. Die zunächst problemlose Aufnahme der RAF-Aussteiger nährte die Hoffnung beider Seiten auf stärkere wechselseitige Unterstützung. Schon zuvor hatte die Staatssicherheit zum Beispiel 1978 für die Freilassung von Terroristen gesorgt, als diese nach der Befreiung des inhaftierten Terroristen Till Meyer in West-Berlin auf der Flucht in Osteuropa festgenommen worden waren. Mehrfach ließ das MfS dabei auch die bundesdeutsche Fahndung ins Leere laufen, indem sie "falsche Fährten" legte. Eine "Information" hält die konkreten Umstände fest, unter denen die Staatssicherheit drei Terroristinnen, die in der CSSR festgesetzt waren, in ihre Obhut übernahm.

In einer weiteren "Information" vom Mai 1979 stellt das MfS umfassend die "Aktivitäten von Vertretern der palästinensischen Befreiungsbewegung in Verbindung mit internationalen Terroristen zur Einbeziehung der DDR bei der Vorbereitung von Gewaltakten in Ländern Westeuropas" zusammen. Darin werden die Verbindungen zwischen Linksterroristen aus der Bundesrepublik, die im Jargon der Stasi nun "anarcho-terroristische Kräfte" hießen und palästinensischen Gruppierungen deutlich. Erkennbar ist auch, dass die DDR für diese Gruppierungen als hilfreiches Hinterland fungierte und deren Aktivitäten zumindest duldete.

In der ersten Hälfte der 80er Jahre gewährten die Offiziere der MfS-Abteilung XXII ("Terrorabwehr") sogar aktiven RAF-Mitgliedern Unterschlupf im "Objekt 74". Hierbei handelte es sich um eine konspirative Unterkunft bei Briesen, auf halbem Wege zwischen Ost-Berlin und Frankfurt/Oder. In dem rustikalen ehemaligen Forsthaus kamen nun zwei bis drei Mal jährlich die selbst ernannte "revolutionäre Avantgarde" aus der Bundesrepublik unter, die RAF. Neben politischen Diskussionen wurden die aktiven Terroristen sogar auf einem nahe gelegenen Schießplatz im Umgang mit einer Panzerfaust trainiert. Mit der gleichen Waffe verübte die RAF 1981 auch ihren Anschlag auf den NATO-General Frederick Kroesen, der leicht verletzt überlebte. Ob die Schießübung vor oder nach dem Anschlag stattfand, konnte vor Gericht nie geklärt werden.

Im Stasi-Unterlagen-Archiv befinden sich so gut wie keine Dokumente, die Aufenthalte der aktiven RAF-Terroristen im "Objekt 74" belegen. Die Vorgangsakte zu diesem Objekt hat allerdings ein Vorblatt, das die Besuche im "Forsthaus" einzeln auflistet, wenn auch nur unter Verwendung der Decknamen von IM und Operativen Vorgängen. Zudem gibt es Skizzen vom Objekt und etliche Fotos, von denen nicht klar ist, wann genau und warum sie aufgenommen wurden.