Signatur: BArch, MfS, HA XXII, Nr. 1261, Bd. 4, Bl. 7-8
Am 7. April 1977 ermordete ein Terrorkommando der RAF den Generalbundesanwalt Siegfried Buback. In der Bundesrepublik und West-Berlin lief daraufhin eine Großfahndung an. Die Stasi hatte Sorge, dass dadurch einige ihrer Agenten enttarnt werden könnten.
Anfang der siebziger Jahre entstanden in der Bundesrepublik linksterroristische Gruppen, wie die Rote Armee Fraktion (RAF) und die Bewegung 2. Juni. Die Staatssicherheit beobachtete den Linksterrorismus in der Bundesrepublik mit Akribie. Sie sammelte Informationen über die Täter, verfolgte deren Aktivitäten. Sie gehorchte damit eigenen Sicherheitsinteressen – und wollte insbesondere ausschließen, dass die RAF auch gegen die DDR oder deren Botschaften und Repräsentanten im Ausland aktiv werden könnte.
Als am 7. April 1977 ein Terrorkommando der RAF den Generalbundesanwalt Siegfried Buback ermordete, lief in der Bundesrepublik und West-Berlin eine Großfahndung an. Die Staatssicherheit hatte Sorge, dass sich die Fahndungsmaßnahmen auf die eigene Arbeit in der Bundesrepublik auswirken könnten.
Im vorliegenden Dokument fasste die Abteilung XXII (Terrorabwehr) die Maßnahmen der westdeutschen Fahnder zusammen und berichtete über eine besondere Sensibilisierung der eigenen Agenten in der Bundesrepublik.
Verbunden mit der Lösung der Aufgaben zu den Aktionen "Konzeption 77" und "Kampfbund 11/77" wurden diese Maßnahmen mit anderen DE, insbesondere der HA PS/AIG, abgestimmt.
4. Auf der Grundlage eigener operativer Erkenntnisse sowie der Aufklärungsergebnisse anderer DE bzw. Linien (HVA, Abt. III u.a.) wurde und wird eine umfassende Auswertung der anarchistischen und sonstigen terroristischen Aktivitäten des Links- und Rechtsextremismus sowie der entsprechenden Maßnahmen der gegnerischen Polizei- und Sicherheitsorgane vorgenommen, um einen ständigen Überblick zur entsprechenden politischen Entwicklung in der BRD und WB zu gewährleisten, bisherige Informationen zu verdichten und Voraussetzungen für weitere politische-operative Aufklärungungs- und Abwehrmaßnahmen zu schaffen.
5. Im Rahmen der Großfahndung in der BRD und WB wurden durch die inoffiziellen Quellen bekannt, daß auf dem Flughafen WB-Tegel verstärkt technische Mittel für die Personenkontrollen eingesetzt werden. Dazu gehören Leibesvisitationen mittels metallanzeigender Sonden, die am Körper entlanggeführt werden und bei Feststellung metallischer Gegenstände akustische Signale geben.
Für die Paßkontrolle werden technische Vorrichtungen verwendet, deren Funktion sowohl in dem Erkennen von Paßfälschungen bzw. als auch in der Paßdokumentierung bestehen kann. Der Paß bzw. Personalausweiß wird mit dem Lichtbild und den Personalangaben nach unten auf eine ca. A4 große milchige Scheibe gelegt und ca. 2 bis 3 Sekunden dort belassen.
Diese Mittel und Methoden sind einzureihen in die verstärkten Bemühungen der gegnerischen Polizei- und Sicherheitsorgane, technische Verfahren für Fahndungsmaßnahmen nutzbar zu machen, u.a. auch durch fälschungssichere Ausweise und Kfz-Kennzeichen zu entwickeln
Abteilung XXII (Terrorabwehr)
1975 entstanden aus einer Unterstruktur der AG beim 1. Stellv. des Ministers; 1989 mit der Abt. XXIII zur HA XXII zusammengeführt.
Abteilung III (Funkaufklärung)
1971 aus dem Bereich III entstanden; 1983 mit der Abt. Funkabwehr zur Hauptabteilung III zusammengelegt.
Aufgaben: Funkaufklärung im Rahmen der elektronischen Kampfführung (EloKa) durch Erfassen und Analyse der Funkfrequenzen und -netze bis hin zum Satellitenfunk vor allem in der Bundesrepublik Deutschland und der NATO sowie Eindringen in diese Kommunikationsverbindungen zur Informationsgewinnung und Verhinderung des gegnerischen Eindringens in die Nachrichtenverbindungen der DDR.
Die AIG entstanden mit der Einführung des einheitlichen Auswertungs- und Informationssystems 1965 aus den in den Bezirksverwaltungen und zentralen operativen Diensteinheiten des MfS schon bestehenden Informationsgruppen. In ihrem Zuständigkeitsbereich oblag ihnen die Bewertung und Selektion von Informationen, die Gewährleistung des Informationsflusses und die Fertigung der Berichte für die Partei- und Staatsfunktionäre. Die AIG unterstanden der fachlichen Anleitung und Kontrolle der ZAIG. 1978/79 wurden sie zu Auswertungs- und Kontrollgruppen erweitert.
Die Hauptabteilung PS war hauptsächlich für den "physischen Schutz" der Partei- und Staatsführung zuständig. Dazu gehörte auch die Absicherung von Auslandsreisen und Delegationen der DDR auf internationalen Konferenzen. Auch Staatsgäste wurden durch die Hauptabteilung PS geschützt. Die HA PS entstand, als die Abteilung PS 1951 zu einer Hauptabteilung (HA) aufgewertet wurde. Ihre Hauptaufgaben bestanden in der
Im Herbst 1989 gehörten der HA PS 3.343 hauptamtliche Mitarbeiter an.
In den Bezirksverwaltung (BV) bestanden selbständige Referate PS.
Die Hauptverwaltung A (HV A) war die Spionageabteilung des MfS, deren Bezeichnung sich an die der Spionageabteilung des KGB, 1. Verwaltung, anlehnt. Der Ordnungsbuchstabe A wurde in der Bundesrepublik oftmals, aber unzutreffenderweise mit "Aufklärung" aufgelöst. Die HV A wurde 1951 als Institut für Wirtschaftswissenschaftliche Forschung (IWF) gebildet und ging im September 1953 als HA XV in das Staatssekretariat für Staatssicherheit ein. Sie wurde im MfS von 1956 bis zur Auflösung im Juni 1990 als HV A bezeichnet.
Der Schwerpunkt nachrichtendienstlicher Tätigkeit der HV A lag in der Bundesrepublik Deutschland und Westberlin, wo sie mit Objektquellen, d. h. den IM in den nachrichtendienstlichen Zielobjekten, aktiv war.
Die HV A gliederte sich 1956 in 15, 1989 in 20 Abteilungen.
Für die operative Arbeit gegen das Bundeskanzleramt und wichtige Bundesministerien war die Abteilung I, für die gegen die bundesdeutschen Parteien die Abteilung II und für die Arbeit außerhalb Deutschlands die Abteilung III zuständig. Für die Infiltration der USA war die Abteilung XI, für die NATO und die Europäischen Gemeinschaften die Abteilung XII verantwortlich. Mit der Militärspionage war die Abteilung IV befasst, mit der Unterwanderung gegnerischer Nachrichtendienste die Abteilung IX.
Innerhalb der Hauptverwaltung war vornehmlich der Sektor Wissenschaft und Technik (SWT) mit Wissenschafts- und Technikspionage befasst, der zu diesem Zweck die Abteilung XIII bis XV sowie die Arbeitsgruppen 1, 3 und 5 unterhielt sowie eine eigene Auswertungsabteilung, die Abteilung V bzw. ab 1959 Abteilung VII.
Leiter der HV A waren 1951/52 Anton Ackermann, kurzzeitig Richard Stahlmann, 1952-1986 Markus Wolf, dann Werner Großmann und 1989/90 Bernd Fischer. Von anfangs zwölf Mitarbeitern wuchs der Apparat bis 1955 auf 430, bis 1961 auf 524 Mitarbeiter und erreichte bis 1972 einen Umfang von 1.066 hauptamtlichen Mitarbeitern. Bis 1989 wuchs die HV A auf 3.299 hauptamtliche Mitarbeiter, hinzu kamen 701 OibE (1985: 1.006) sowie 778 HIM. OibE und HIM arbeiteten verdeckt in der DDR und im Operationsgebiet. Insgesamt verfügte die HV A also zuletzt über 4.778 Mitarbeiter.
Die Anzahl der von der HV A geführten IM umfasste im Jahre 1989 rund 13.400 in der DDR und weitere 1.550 in der Bundesrepublik. Über 40 Jahre hinweg werden nach Hochrechnungen insgesamt rund 6.000 Bundesbürger und Westberliner IM der HV A gewesen sein.
Signatur: BArch, MfS, AIM, Nr. 15172/83, Bd. 3, Bl. 278
Im so genannten "Deutschen Herbst" 1977 versuchte die Terror-Gruppe RAF, ihre gefangene Führungsriege freizupressen. Dazu entführte sie unter anderem den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Die Stasi beobachtete die Lage genau, und ließ sich von ihren Inoffiziellen Mitarbeitern im Westen über die Stimmung in der Bevölkerung berichten.
Im so genannten "Deutschen Herbst" 1977 versuchte die Terror-Gruppe RAF, ihre gefangene Führungsriege freizupressen. Dazu entführte sie unter anderem den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Die Stasi beobachtete die Lage genau, und ließ sich von ihren Inoffiziellen Mitarbeitern im Westen über die Stimmung in der Bevölkerung berichten. Der vorliegende Bericht stammt von IM "Hermann", der für das MfS seit 1970 Informationen aus dem Raum Stuttgart sammelte. Bei dem Dokument handelt es sich um die Abschrift einer Tonbandaufnahme. "Hermann" hatte seinem Führungsoffizier vermutlich mündlich berichtet.
Baden-Württemberg gehörte zum "operativ" zu bearbeitenden Gebiet der Bezirksverwaltung Dresden. Das MfS interessierte sich hier für die Landesregierung und ihre Ministerien, die Geheimdienste, die Bundeswehr, aber auch für Wirtschaftsunternehmen. "Hermann" war damit einer von mehreren westdeutschen IM, die dem MfS zulieferten.
Bezirksverwaltung Dresden
Abteilung II/1/3
Dresden, den 15.10.1977
Abschrift vom Tonband
Stimmungsbericht!
Als die Entführung Schleyer bekannt wurde, war in der Bevölkerung überall großes Mitgefühl. Zum jetzigen Zeitpunkt kann man sagen, daß dieses schon wieder abgeklungen ist, da man von Seiten der Regierung erstens Presseverbot gegeben hat und zweitens nach Meinung der Bevölkerung solche Akte zu lasch behandelt würden. Die Bevölkerung ist verunsichert, sie fordert den Durchgriff einer starken Hand, indem man mal so einen Entführer oder Terrorist an die Wand stellt. Es soll ein abschreckendes Beispiel geschaffen werden. Darüberhinaus sind die jetzigen Sicherheitsmaßnahmen dermaßen verstärkt worden, die wohl von der Bevölkerung z.Zt. eingesehen werden, andererseits jedoch den Staatshaushalt belasten und zu Lasten der Steuerzahler gehen.
Es ist sogar führenden Persönlichkeiten und Politikern selbst zuwider. So konnte ich selbst feststellen, auf unser Zentralverbandstagung, daß der Abgeordnete Dollinger von der CDU mit zwei Mann Begleitschutz anreiste, offen zum Ausdruck brachte, daß es ihm auch lästig sei, dauernd von Schatten umgeben zu sein. Oberbürgermeister Rommel von Stuttgart hat einen ständigen Begleitschutz, Ministerpräsident Filbinger verfügt über 3 Mann und so setzt sich das weiter fort. Hinsichtlich der Si verungsmaßnahmen ist eine spürbare Verstärkung eingetreten. Bei uns in Stuttgart werden ständig das Amtsgericht, Landgericht patroulliert mit 2 Posten des Grenzschutzes, es werden sogar Rechtdanwaltsbüros bewacht, welche die Pflichtverteidiger der Baader-Meinhof Gruppe sind. Ich konnte mich selbst davon überzeugen, daß in Stuttgart-Vaihingen, wo wir ein Haus verwalten, und in der Nähe der Generalbundesanwalt Rebmann wohnt, essen Haus mit 2 Panzerwagen und entsprech. Grenzpolizeiaufgebot bewacht wird.
Ebenso sind die Flugplätze mit Grenzschutz verstärkt worden, es wird eine scharfe Paß - u. Leibesvisitation vorgenommen. Die Überzahl der Bevölkerung ist der Meinung, daß Schleyer geopfert werden sollte, denn die 11 Terroristen herauszulassen, wäre totaler Wahnsinn. Damit wäre der Anarchie Tür und Tor geöffnet.
Berlin, den 14.10.1977
gez. Hermann
Eine selbständige Abteilung ist eine Organisationsstruktur in der MfS-Zentrale, die durch den Minister oder einen seiner Stellvertreter direkt angeleitet und durch militärische Einzelleiter geführt wurde. Die weiter untergliederten Abteilungen prägten Linien aus (z. B. Abt. XIV; Linienprinzip) oder blieben auf die Zentrale beschränkt (z. B. Abt. X). Die eng umrissenen Zuständigkeiten mit operativer Verantwortung und Federführung orientierten sich an geheimdienstlichen Praktiken (Telefonüberwachung) oder Arbeitsfeldern (Bewaffnung, chemischer Dienst).
Im Zusammenhang mit der Verwaltungsreform der DDR vom Sommer 1952 wurden die fünf Länderverwaltungen für Staatssicherheit (LVfS) in 14 Bezirksverwaltungen umgebildet. Daneben bestanden die Verwaltung für Staatssicherheit Groß-Berlin und die Objektverwaltung "W" (Wismut) mit den Befugnissen einer BV. Letztere wurde 1982 als zusätzlicher Stellvertreterbereich "W" in die Struktur der BV Karl-Marx-Stadt eingegliedert.
Der Apparat der Zentrale des MfS Berlin und der der BV waren analog strukturiert und nach dem Linienprinzip organisiert. So waren die Hauptabteilung II in der Zentrale bzw. die Abteilungen II der BV für die Schwerpunkte der Spionageabwehr zuständig usw. Auf der Linie der Hauptverwaltung A waren die Abteilung XV der BV aktiv. Einige Zuständigkeiten behielt sich die Zentrale vor: so die Militärabwehr (Hauptabteilung I) und die internationalen Verbindungen (Abteilung X) oder die Arbeit des Büros für Besuchs- und Reiseangelegenheiten in Westberlin (Abteilung XVII). Für einige Aufgabenstellungen wurde die Bildung bezirklicher Struktureinheiten für unnötig erachtet. So gab es in den 60er und 70er Jahren für die Abteilung XXI und das Büro der Leitung II Referenten für Koordinierung (RfK) bzw. Offiziere BdL II. Für spezifische Aufgaben gab es territorial bedingte Diensteinheiten bei einigen BV, z. B. in Leipzig ein selbständiges Referat (sR) Messe, in Rostock die Abt. Hafen.
An der Spitze der BV standen der Leiter (Chef) und zwei Stellv. Operativ. Der Stellv. für Aufklärung fungierte zugleich als Leiter der Abt. XV. Die Schaffung des Stellvertreterbereichs Operative Technik im MfS Berlin im Jahre 1986 führte in den BV zur Bildung von Stellv. für Operative Technik/Sicherstellung.
Hauptamtliche Mitarbeiter des MfS, die IM und OibE führten, in MfS-Dokumenten auch als vorgangsführende Mitarbeiter oder IM-führende Mitarbeiter (umgangssprachlich Führungsoffiziere) bezeichnet, von denen es im MfS zuletzt etwa 12.000 bis 13.000 gab. Sie waren für eine Region oder Institution, für bestimmte Personenkreise oder spezifische Sachfragen zuständig und hatten die Sicherheitslage in ihrem Verantwortungsbereich zu beurteilen.
Es wurde von ihnen erwartet, dass sie insbesondere durch Rekrutierung und Einsatz von IM die "staatliche Sicherheit und die gesellschaftliche Entwicklung" vorbeugend sicherten. Verdächtige Personen waren in OV oder OPK zu "bearbeiten", Personengruppen mit besonderen Befugnissen mit Sicherheitsüberprüfungen unter Kontrolle zu halten. Bei der Erfüllung ihrer Aufgaben sollten sie das politisch-operative Zusammenwirken mit anderen staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen nutzen.
Signatur: BArch, MfS, HA XXII, Nr. 136, Bl. 324-327
Das MfS beobachtete die Ereignisse rund um die Entführung Hanns Martin Schleyers und der Passagiermaschine "Landshut" und führte ein genaues Protokoll über den Ablauf.
Die 1970 gegründete Rote Armee Fraktion (RAF) war eine linksterroristische Gruppe in der Bundesrepublik Deutschland. Die Staatssicherheit sammelte zunächst Informationen über die Terroristen, beobachtete deren Aktivitäten und duldete ihre Reisen in den Nahen Osten über den Ostberliner Flughafen Schönefeld. In den 80er Jahren intensivierten sich die Kontakte und die Staatssicherheit bot zehn RAF-Aussteigern Unterschlupf in der DDR. Zudem trainierte das MfS einige Terroristen im Umgang mit Waffen.
Am 5. September 1977 entführte die RAF den damaligen Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. Am 13. Oktober 1977 kaperte ein Terrorkommando der Volksfront zur Befreiung Palästinas die Lufthansa-Maschine "Landshut". In beiden Fällen forderten die Entführer u.a. die Freilassung von elf in Deutschland inhaftierten RAF-Terroristen. Zusätzlich verlangte die Volksfront zur Befreiung Palästinas die Entlassung zweier Gesinnungsgenossen aus türkischer Haft sowie 15 Millionen US-Dollar.
Das MfS beobachtete die Ereignisse führte ein genaues Protokoll über den Ablauf.
Abteilung XXII, Berlin, den 27. Oktober 1977
Zusammenfassung der Ereignisse im Zusammenhang mit der Entführung des Dr. Hanns Martin Schleyer
5.9.77
17.28 Uhr: BRD-Unternehmerpräsident Dr. Hanns Martin Schleyer wurde in Köln auf der Fahrt in seine Zweitwohnung von Mitgliedern der RAF,"Kommando Siegfried Hausner", entführt.
Ein Pkw "Mercedes" und ein auf die Straße rollender Kinderwagen versperren die Weiterfahrt. Fünf Terroristen eröffnen das Feuer auf die Begleitmannschaft.
18.40 Uhr: - Großfahndung wird ausgelöst
6.9.77 - BKA Wiesbaden wird Wortlaut der Forderungen der Entführer zugestellt (Freilassung von 11 RAF-Mitgliedern und 100 000 DM für jeden)
7.9.77 - BKA erhält Video-Band, auf dem Schleyer eine Erklärung der Terroristen verliest
8.9.77 - Nachrichtensperre wird verhängt BKA fordert Einschaltung einer Kontaktperson.
9.9.77 - der Genfer Rechtsanwalt Denis Payot erklärt sich bereit, als Kontaktperson zu fungieren
11.9.77 - Nachricht der Entführer mit Forderungen an Bundesregierung über Payot mitgeteilt, das BKA verlangt von den Entführern neues Lebenszeichen der Geisel
Abteilung XXII (Terrorabwehr)
1975 entstanden aus einer Unterstruktur der AG beim 1. Stellv. des Ministers; 1989 mit der Abt. XXIII zur HA XXII zusammengeführt.
Eine selbständige Abteilung ist eine Organisationsstruktur in der MfS-Zentrale, die durch den Minister oder einen seiner Stellvertreter direkt angeleitet und durch militärische Einzelleiter geführt wurde. Die weiter untergliederten Abteilungen prägten Linien aus (z. B. Abt. XIV; Linienprinzip) oder blieben auf die Zentrale beschränkt (z. B. Abt. X). Die eng umrissenen Zuständigkeiten mit operativer Verantwortung und Federführung orientierten sich an geheimdienstlichen Praktiken (Telefonüberwachung) oder Arbeitsfeldern (Bewaffnung, chemischer Dienst).
Organisationsstruktur in der MfS-Zentrale, die durch den Minister oder einen seiner Stellvertreter direkt angeleitet wurde. Die zuletzt 13 Hauptabteilungen wurden durch Einzelleiter geführt. Die weiter untergliederten und nach dem Linienprinzip tätigen HA waren für komplexe, abgegrenzte Bereiche operativ zuständig und federführend verantwortlich. Der Zuschnitt der Zuständigkeitsbereiche war an Ressorts oder geheimdienstlichen Praktiken (z. B. Verkehrswesen, Beobachtung, Funkspionage) orientiert.
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"...anarcho-terroristische Kräfte"
Die Staatssicherheit billigte bereits in den frühen siebziger Jahren Ein- und Ausreisen der Linksterroristen über den Ost-Berliner Flughafen Schönefeld oder auch die tschechische Grenze. Gelegentlich hielt die Staatssicherheit ein Mitglied der RAF oder ihres Umfeldes an der Grenze fest – etwa wenn diese verbotenerweise Waffen mit sich führten oder die Fälschung eines Personaldokuments aufflog. Dann nutzte man die Gelegenheit für eine intensive Befragung der Täter, die ihr Wissen ausweislich der Dokumente oftmals auch Preis gaben. Die Aussicht auf Haft in der DDR wirkte sicherlich abschreckend und förderte die Bereitschaft zu reden.
Wie zu vielen Angehörigen der Außerparlamentarischen Opposition (APO) sammelte die Staatssicherheit seit den späten sechziger Jahren auch zu jenen Personen Informationen, die am Ende der Protestbewegung in den Untergrund gingen und terroristische Gruppen wie die RAF bildeten. Deren erste Generation wurde nach ihren führenden Mitgliedern auch als Baader-Meinhof-Gruppe bezeichnet. In West-Berlin entstand die Bewegung 2. Juni, zu deren späteren Angehörigen Till Meyer gehörte, zu dem bereits aus dem Jahre 1969 Dokumente vorliegen.
Nach der gewaltsamen Befreiung von Andreas Baader aus der Haft in West-Berlin im Mai 1970 flohen einige Gruppenmitglieder in den Nahen Osten. In einem Ausbildungscamp der palästinensischen Gruppe El Fatah in Jordanien ließen sie sich militärisch trainieren. Bei der Rückkehr über den Ost-Berliner Flughafen Schönefeld wurden mindestens Horst Mahler und Hans-Jürgen Bäcker im Juli/August von der Staatssicherheit festgehalten und befragt. Ulrike Meinhof suchte seinerzeit sogar von sich aus den Kontakt.
Im November 1973 nahm die Staatssicherheit das Mitglied der Bewegung 2. Juni, Michael "Bommi" Baumann, beim Grenzübertritt im Zug aus der CSSR kommend fest. Zu dem Zeitpunkt hatte sich Baumann bereits vom Terror losgesagt, war aber untergetaucht und wurde in der Bundesrepublik steckbrieflich gesucht, unter anderem wegen der Beteiligung an einem Bombenanschlag mit einem Todessopfer. Die Staatssicherheit brachte Baumann zunächst nach Dresden und dann in das zentrale Untersuchungsgefängnis des MfS nach Berlin-Hohenschönhausen. Sechs Wochen lang nutzte die Staatssicherheit Baumann als Quelle, der ausweislich diverser Vernehmungsprotokolle im Umfang von fast 100 Seiten auch ausführlich über das Innenleben der terroristischen Gruppierungen berichtete.
Einleitung
Bericht über die Einreise Till Meyers in die DDR
Bericht über die Einreise Horst Mahlers in die DDR
Bericht über die Festnahme Hans-Jürgen Bäckers auf dem Ost-Berliner Flughafen Schönefeld
Ergänzung zum Bericht über die Festnahme Hans-Jürgen Bäckers auf dem Flughafen Schönefeld
Aktennotiz über die versuchte Einreise Ulrike Meinhofs in die DDR unter dem Namen Michèle Susanne
Abfotografierter Reisepass der Journalistin Michèle Susanne Ray mit einem Bild Ulrike Meinhofs
Bildfahndung zu Ulrike Meinhof
Anweisung des Ministers für Staatssicherheit Ulrike Meinhof bei einem Einreiseversuch in die DDR zu verhören
Protokoll über die Vernehmung Michael "Bommi" Baumanns nach seiner Einreise in die DDR mit falschen Papieren
Beobachtung und Aufklärung
Karte der MfS-Spezialkräfte (AGM/S) zur Entführung von Peter Lorenz
Bericht zur Großfahndung in der Bundesrepublik nach dem Attentat auf Siegfried Buback
Bericht von IM "Hermann" über die Stimmung in der BRD während der Schleyer-Entführung
Protokoll der Entführung von Hanns Martin Schleyer und des Passagierflugzeuges "Landshut"
Vergleich der Entführungen von Hanns Martin Schleyer und Aldo Moro
Aufstellung der DDR-Verbindungen von RAF-Mitgliedern
"Auskunftsbericht" über den RAF-Terroristen Christian Klar
"Auskunftsbericht" über die RAF-Terroristin Inge Viett
Eröffnungsbericht zum Operativen Vorgang "Stern I" zur Überwachung von RAF-Mitgliedern
Projekt Übersiedlung
Antrag auf Erteilung der DDR-Staatsbürgerschaft an "Angelika Gerlach" (Silke Maier-Witt)
Fiktiver Lebenslauf der RAF-Aussteigerin Silke Maier-Witt ("Angelika Gerlach")
Fiktiver Lebenslauf der RAF-Aussteigerin Monika Helbing alias "Elke Köhler"
Bericht eines Abschnittsbevollmächtigten über die RAF-Terroristin Monika Helbing alias "Elke Winter"
Chronologischer Verlauf der Eingliederung von "Ernst Berger" (Susanne Albrecht) in die DDR
Unterstützung
Bericht über die Freilassung von Inge Viett, Ingrid Siepmann und Regine Nikolai in der CSSR auf Initiative des MfS
Bericht über Verbindungen der PLO zu Terroristen bei der Vorbereitung von Gewaltakten
Auszug aus dem Besucherbuch des konspirativen "Objektes 74"
Anfahrtsskizze zum "konspirativen Objekt 74"
Innenaufnahmen des konspirativen "Objektes 74" in Briesen
Verschleierung und Distanzierung
Eröffnungsbericht zur OPK "Klausen, Gerhard" gegen Wolfgang Grams
Abschlussbericht zum Hungerstreik der RAF-Gefangenen
Sowjetische Hinweise auf die Enttarnung von "Angelika Gerlach" (Silke Maier-Witt)
Bericht zum Stand der Neueingliederung des IMS "Anja Weber"
Vermerk zur Anfrage des BRD-Juristen Renger nach "Angelika Gerlach" (Silke Maier-Witt)
Die Integration der in der DDR untergetauchten RAF-Terroristin Silke Maier-Witt aus Sicht des MfS